Während BMW an mehreren Fronten gleichzeitig kämpft, meldet sich nun eine weitere Verzögerung: Die geplante Einführung des Agenturmodells im deutschen Vertrieb wird laut Medienberichten erneut verschoben, nun nicht vor dem 1. Juli 2028. Für Anleger ist das ein weiteres Signal, dass der Konzern seine Umbaupläne im aktuellen Umfeld vorsichtiger dosiert, als ursprünglich kommuniziert.
Der Vertriebsumbau sollte den Direktverkauf an Endkunden stärken und Händlermargen neu ordnen. Nun bekommt das Projekt erneut mehr Zeit. Parallel dazu vollzieht sich an der Konzernspitze ein Wechsel: Zum 1. September übernimmt Dorothea von Boxberg das Amt der Personalvorständin und Arbeitsdirektorin von Ilka Horstmeier, wie das Handelsblatt berichtete.
Von Boxberg wechselt von der Position der CEO bei Brussels Airlines zu BMW – ein Wechsel aus der Luftfahrt in die Automobilindustrie, der zeitlich mit dem größten Personalabbauprogramm der jüngeren BMW-Geschichte zusammenfällt.
Personalabbau als Rahmen für den Wechsel
Von Boxberg tritt ihr Amt in einer Phase an, in der BMW mit dem Betriebsrat eine Vereinbarung über den Abbau von rund 8.000 Stellen weltweit bis 2027 getroffen hat, wie Bloomberg berichtete. Das entspricht etwa fünf Prozent der Gesamtbelegschaft, die Mehrzahl der Kürzungen soll in Deutschland erfolgen, wo von rund 154.000 Beschäftigten etwa 85.000 tätig sind.
Ein freiwilliges Abfindungsprogramm startet im Oktober und läuft bis Ende 2027. Für die Maßnahmen kalkuliert BMW einen dreistelligen Millionenbetrag allein für dieses Jahr, insgesamt rund eine Milliarde Euro. Die neue Personalvorständin übernimmt damit unmittelbar die Verantwortung für eines der heikelsten Kapitel im laufenden Restrukturierungsprogramm.
Kursbild bleibt angeschlagen
An der Börse zeigt sich der Kurs derzeit stabilisiert, aber weiterhin unter Druck: Am Freitag schloss die Aktie bei 59,06 Euro, ein Plus von 1,8 Prozent auf Tagesbasis. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Rückgang von 37 Prozent zu Buche, verglichen mit dem 52-Wochen-Hoch von 97,90 Euro im Dezember liegt der Titel rund 40 Prozent darunter.
Zum 52-Wochen-Tief von 56,40 Euro, erreicht im Juli, beträgt der Abstand dagegen nur noch knapp 5 Prozent – ein Hinweis darauf, dass sich die Aktie derzeit in Tiefstkursnähe bewegt, ohne bislang eine klare Richtung zu finden.
Vertrieb und Führung als zwei Baustellen
Die erneute Verschiebung des Agenturmodells passt zum Bild eines Konzerns, der zentrale Umbauprojekte streckt, um Kapazitäten für den akuten Sparkurs freizuhalten. Gleichzeitig bringt der Wechsel an der Personalspitze frisches Führungspersonal in eine Phase, die von Stellenabbau, Kostendruck und dem parallel laufenden Hochlauf der Neuen Klasse geprägt ist.
Ob von Boxberg die Sozialpartner enger einbinden kann als ihre Vorgängerin, dürfte sich erst in den kommenden Monaten zeigen, wenn das Abfindungsprogramm konkrete Form annimmt.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Ein verschobener Vertriebsumbau signalisiert vorsichtiges Timing, der Führungswechsel in der Personalabteilung fällt in eine Phase harter Einschnitte. Beide Entwicklungen laufen parallel zum eigentlichen Kernthema des Konzerns – der Frage, ob die Neue Klasse die operative Wende bringt, bevor die Sparmaßnahmen ausgereizt sind.
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