BMWs heute veröffentlichte Auslieferungszahlen zeigen ein schwaches Gesamtgeschäft, während JPMorgan auf operative Stärke setzt. Die Bank hält an ihrer positiven Einschätzung fest und erwartet ein starkes Automobilgeschäft als wichtigste Ergebnisstütze. Für Anleger liegt darin der entscheidende Kontrast: Der Absatzrückgang ist gemeldet, die erwartete Ertragsstärke muss BMW mit den Quartalszahlen erst belegen.

JPMorgan hält an positiver Einschätzung fest

JPMorgan bestätigt die Einstufung „Overweight“ und ein Kursziel von 82 Euro. Analyst Jose M. Asumendi erwartet für das Berichtsquartal einen Umsatz von 29,7 Milliarden Euro sowie ein operatives Ergebnis von rund 1,68 Milliarden Euro.

Damit richtet sich der Blick nicht allein auf die Zahl ausgelieferter Fahrzeuge. Entscheidend wird ebenso sein, welches Ergebnis BMW mit diesem Absatz erzielt. Asumendis Einschätzung bleibt eine Prognose und ist keine Bestätigung bereits gemeldeter Geschäftszahlen. Sie bildet ein optimistisches Gegengewicht zur schwachen Absatzentwicklung.

Die Aktie legt heute um 2,4% zu. Der Kursanstieg steht damit neben einer Nachrichtenlage, die sowohl Belastungen als auch positive Erwartungen enthält. Eine eindeutige Ursache für die Bewegung lässt sich daraus nicht ableiten.

Regionales Wachstum reicht nicht zum Ausgleich

BMW lieferte im dritten Quartal 2026 weltweit 551.072 Fahrzeuge aus. Das entspricht einem Rückgang von 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Laut Unternehmensmitteilung sind die Zahlen vorläufig.

Die regionale Verteilung erklärt die Schwäche des Gesamtergebnisses. Wachstum in Europa und den USA konnte den Einbruch in China nicht ausgleichen. Die dpa berichtet über einen Preiskrieg und einen schrumpfenden chinesischen Markt, die deutsche Hersteller belasten.

In China sanken BMWs Auslieferungen um 24,8 Prozent auf 114.355 Fahrzeuge. Europa verzeichnete dagegen ein Plus von 2,7 Prozent.

Damit entwickelt sich das Geschäft regional sehr unterschiedlich. BMW erzielt außerhalb Chinas weiterhin Zuwächse, ohne den konzernweiten Rückgang verhindern zu können. Für die Einordnung der Gewinnprognose ist diese Trennung wichtig: Eine Absatzstabilisierung in einzelnen Regionen bedeutet noch keine Erholung des gesamten Konzerns.

Auch die USA steuerten Wachstum bei. Dort erhöhten sich die Auslieferungen um 2,5 Prozent.

Elektroautos liefern einen positiven Gegenpunkt

Besonders deutlich fällt die unterschiedliche Entwicklung nach Antriebsart aus. Während die gesamten Auslieferungen zurückgingen, konnte BMW weltweit mehr vollelektrische Fahrzeuge absetzen. Dieses Wachstum ist ein positiver Teil der Absatzmeldung, erlaubt aber für sich genommen noch keine Aussage über die Profitabilität.

Die weltweiten Auslieferungen vollelektrischer Fahrzeuge stiegen um 7,2 Prozent auf 110.257 Einheiten. In Europa nahm dieser Absatz um 37,5 Prozent zu.

BMW verweist zudem auf starke Auftragseingänge bei vollelektrischen Fahrzeugen und die Nachfrage nach der Neuen Klasse einschließlich des iX3. Das unterstützt die Wachstumsperspektive, ersetzt jedoch keinen Ergebnisnachweis.

Die Quartalszahlen sind für den 4.11.2026 angekündigt. Dann wird sich prüfen lassen, ob das Automobilgeschäft die von JPMorgan erwartete Ergebnisstütze liefert. Bis dahin stehen belastbare Absatzdaten einer positiven Gewinnprognose gegenüber – und genau diese Unterscheidung ist für die Bewertung der BMW-Aktie entscheidend.