Die Deutsche Bank hat BMW auf „Kaufen“ gestuft und setzt dabei auf die Neue Klasse als künftigen Kurstreiber. Trotz später erreichter Margenziele sehen die Analysten Potenzial in der neuen Modellgeneration, warnen zugleich aber vor Margenrisiken, die die Entwicklung bremsen könnten.

Die Einstufung fällt in eine Zeit, in der BMW technologisch einen bemerkenswerten Sonderweg beschreitet. Anders als etwa Tesla verzichtet der Konzern bei der Neuen Klasse bewusst auf sogenanntes Gigacasting, also das Gießen großer Karosserieteile in einem Stück.

Ein Dekra-Experte erläuterte kürzlich, dass solche Großgussteile zwar bis zu 70 Einzelbleche ersetzen können, im Schadensfall aber reparaturtechnisch anspruchsvoll sind. BMWs Entscheidung, an kleinteiligeren Karosseriekonzepten festzuhalten, zielt damit auch auf bessere Reparierfähigkeit und niedrigere Folgekosten für Kunden und Werkstätten.

Politisches Umfeld sorgt für Unsicherheit

Für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgte ein Interview von Bundeskanzler Merz, in dem er die Automobilindustrie nicht mehr als künftig dominanten Wirtschaftssektor benannte. Stattdessen verwies er auf den Dienstleistungssektor und äußerte, der Umsatz in der Pflege älterer Menschen könnte den von Mercedes-Benz und BMW künftig übertreffen.

Für einen Autobauer, der ohnehin mit strukturellen Umbauten kämpft, ist eine solche Relativierung der eigenen Branchenbedeutung durch die Politik ein bemerkenswertes Signal – auch wenn sich daraus keine unmittelbaren operativen Konsequenzen ableiten lassen.

Der Kontrast zur Konkurrenz fällt derzeit deutlich aus: Bei Volkswagen kursiert einem internen Papier zufolge die Warnung „Titanic hat Eisberg gerammt“. Geplante Werksschließungen in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm sowie bis zu 100.000 gefährdete Stellen zeichnen ein Bild tiefer Krise.

Ein weiteres VW-Papier soll sogar deutsche mit chinesischen und portugiesischen Lohnkosten vergleichen, wobei bis zu 130.000 Jobs zur Disposition stehen sollen. Vor diesem Hintergrund wirkt die Einschätzung der Deutschen Bank zu BMW fast schon zurückhaltend optimistisch – die Neue Klasse gilt dort als Differenzierungsmerkmal in einer Branche, die insgesamt unter Druck steht.

Kursreaktion bleibt verhalten

An der Börse hat die Analysteneinstufung bislang keine große Bewegung ausgelöst. Die BMW-Aktie schloss am Mittwoch bei 60,92 Euro, nach einem Plus von 0,5 Prozent auf Tagesbasis. Auf Sicht von sieben Handelstagen steht ein Zuwachs von 2,0 Prozent zu Buche – ein Zeichen dafür, dass sich die Stimmung zuletzt leicht stabilisiert hat, nachdem die Aktie im Jahresverlauf deutlich unter Druck geraten war.

Auch im Motorsport bleibt BMW präsent: In der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC liegt der Hersteller in der Hypercar-Fahrerwertung mit Toyota gleichauf, beide Marken kommen auf je zwei Saisonsiege. Das nächste Rennen, der Lone Star Le Mans, findet kommenden Sonntag in Austin statt.

Für die Marke ist der sportliche Erfolg ein Baustein im Bemühen, das technische Image der Neuen Klasse zu untermauern – während die eigentliche Bewährungsprobe am Markt und in den Werken noch aussteht.