BMW startet operativ einen Umbau, während die Zahlen tief in die roten Bereiche rutschen. Die Aktie schloss am Freitag bei 59,82 Euro, ein Plus von 1,94 Prozent zum Vortag – doch seit Jahresbeginn steht für das Papier ein Minus von 35,97 Prozent. Zwischen einem neuen Modellstart, einer gekürzten Prognose und einem anstehenden Vorstandswechsel zeichnet sich ein Konzern ab, der sich mitten in einer schmerzhaften Umbauphase befindet.
Gewinneinbruch belastet die Bilanz
Im zweiten Quartal 2026 lieferte BMW 590.947 Fahrzeuge aus, ein Rückgang von 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Konzernumsatz sank auf 31,259 Milliarden Euro, ein Minus von 7,9 Prozent. Deutlich schärfer traf es das Ergebnis: Das EBIT brach um 38,7 Prozent auf 1,631 Milliarden Euro ein, die EBIT-Marge fiel von 7,7 auf 5,4 Prozent. Im Autogeschäft war der Einbruch noch ausgeprägter – die operative Marge sackte von 5,4 auf 2,3 Prozent, der operative Gewinn im Automobilsegment schrumpfte einem Bericht zufolge um rund 60 Prozent auf 629 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr rechnet BMW nun mit einem leichten Rückgang des weltweiten Absatzes und einem deutlichen Ergebnisrückgang; die Konzern-EBIT-Marge soll 2026 nur noch zwischen 1 und 3 Prozent liegen.
China-Geschäft bricht weiter ein
Ein zentraler Belastungsfaktor bleibt der chinesische Markt. Im zweiten Quartal verkaufte BMW dort nur noch 117.815 Fahrzeuge, ein Einbruch von 30,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für das erste Halbjahr insgesamt lag der China-Rückgang bei 20,4 Prozent. Konzernweit kam die BMW Group im ersten Halbjahr auf 1.156.742 ausgelieferte Fahrzeuge, ein Minus von 4,2 Prozent, während die Kernmarke BMW mit gut einer Million Einheiten um 6,2 Prozent unter dem Vorjahreswert blieb. In Deutschland zeigte sich zumindest im Juli ein Lichtblick: Mit 24.644 Neuzulassungen legte die Marke leicht gegenüber dem Vorjahresmonat zu.
Parallel zur schwachen China-Nachfrage treibt BMW den Umbau der Produktion voran. Am Donnerstag startete im Werk München die Serienproduktion des i3 als zweites Modell der „Neuen Klasse“. Nach Unternehmensangaben sinken dadurch die Fertigungskosten am Standort um 10 Prozent, ab 2027 soll München ausschließlich vollelektrische Fahrzeuge bauen. Auch das mexikanische Werk San Luis Potosà soll ab 2027 mit iX3 und i3 auf Basis der Neuen Klasse produzieren.
Vorstandswechsel und Sparkurs
Zum 1. September übernimmt Dorothea von Boxberg (52) das Personalressort im BMW-Vorstand und folgt auf Ilka Horstmeier. Von Boxberg leitet aktuell als CEO die Brussels Airlines und war zuvor in mehreren Führungsfunktionen bei der Lufthansa AG sowie der Lufthansa Cargo AG tätig. Der Wechsel fällt in eine Phase harter struktureller Einschnitte: BMW plant den Abbau von rund 8.000 Stellen bis Ende 2027, ein freiwilliges Abfindungsprogramm soll ab Oktober greifen. Von weltweit etwa 154.000 Beschäftigten arbeiten rund 85.000 in Deutschland. Betriebsbedingte Kündigungen sind nach Unternehmensangaben nicht geplant, im Vorjahr habe der Konzern bereits 2,5 Milliarden Euro eingespart. Trotz der angespannten Lage läuft der Aktienrückkauf im Rahmen des Programms 2025–2027 weiter: Anfang Juli erwarb BMW 300.000 eigene Aktien zu einem gewichteten Durchschnittspreis zwischen 57,59 und 60,67 Euro.
Analysten mit gegensätzlichen Einschätzungen
Am Kapitalmarkt gehen die Meinungen auseinander. Die DZ Bank stufte BMW am 31. Juli von „Buy“ auf „Hold“ zurück und senkte das Kursziel von 75 auf 65 Euro. JPMorgan hielt am 30. Juli dagegen an der Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 82 Euro fest. Weitere Häuser bewegten sich zuletzt in einer ähnlichen Spanne: Ende Juli senkte ein Analysehaus sein Kursziel leicht auf 82 Euro bei fortbestehender Kaufempfehlung, während ein anderes Institut Mitte Juli hochstufte, aber sein Kursziel auf 71 Euro reduzierte. Die Bandbreite der Einschätzungen zwischen 65 und 82 Euro spiegelt die Unsicherheit über Tempo und Erfolg der Transformation wider, während sich der Kurs mit einem Abstand von gut 6 Prozent zum 52-Wochen-Tief nur langsam vom Jahrestief entfernt.
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