Der Vorstand rechnet im Segment Automobile nun mit einer EBIT-Marge zwischen 1 und 3 Prozent, nachdem zuvor ein Korridor von 4 bis 6 Prozent in Aussicht gestellt worden war. Als Gründe nennt das Unternehmen den Wettbewerbsdruck in China sowie gestiegene Fertigungskosten. Die Ankündigung vom 16. Juni markiert einen deutlichen Einschnitt für die Anleger, die zuletzt ohnehin herbe Kursverluste hinnehmen mussten.

China bricht ein, Europa und USA legen zu

Der Absatz zeigt, wie tief der Einbruch in China sitzt. Im ersten Halbjahr 2026 verkaufte die BMW Group in China nur noch 261.773 Fahrzeuge – ein Rückgang um 20,4 Prozent. Das drückte den weltweiten Gesamtabsatz der Gruppe um 4,2 Prozent auf 1.156.742 Automobile, obwohl Europa um 5,4 Prozent und die USA um 3,9 Prozent zulegten. Die Kernmarke BMW allein lieferte im Halbjahr 1.004.681 Fahrzeuge aus, ein Minus von 6,2 Prozent. Gegenläufig entwickelte sich MINI mit einem Plus von 11,7 Prozent auf 149.538 Einheiten, während Rolls-Royce um 9,8 Prozent auf 2.523 Fahrzeuge zurückfiel. Die Zahlen unterstreichen, wie stark der chinesische Markt inzwischen das Gesamtbild der Gruppe belastet, während die westlichen Kernmärkte stabiler laufen.

An der Börse zeigte sich die Aktie zuletzt leicht erholt: Der Schlusskurs vom Donnerstag lag bei 58,84 Euro, nach einem Plus von 1,17 Prozent binnen sieben Tagen. Damit notiert das Papier nur noch 3,74 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 56,72 Euro, das erst am 15. Juli markiert wurde. Die Gewinnwarnung vom Juni sitzt den Anlegern damit weiterhin spürbar im Nacken.

Personalwechsel im Vorstand und neue Kapitalstruktur

Parallel zur operativen Schwäche vollzieht BMW einen personellen Umbau an der Konzernspitze. Der Aufsichtsrat bestellte Dorothea von Boxberg in den Vorstand der BMW AG. Ihre Berufung wurde am 16. Juli beschlossen, wirksam wird sie jedoch erst zum 1. September 2026. Damit erhält der Vorstand ab diesem Termin ein neues Gesicht, während das Unternehmen zugleich seine Kapitalstruktur neu ordnet: Ende Juni schloss BMW die Umwandlung sämtlicher Vorzugsaktien in stimmberechtigte Stammaktien ab, unter dem Motto „One Share, One Vote“. Die Maßnahme soll die Aktionärsstruktur vereinfachen und die Stimmrechte breiter verteilen.

Auch in den USA setzte BMW im Juni ein Ausrufezeichen. Das Unternehmen schloss ein 1,7 Milliarden US-Dollar schweres Investitionsprogramm am amerikanischen Standort ab und feierte im Werk Spartanburg die Weltpremiere des neuen BMW X5. Das Investment unterstreicht, dass BMW trotz der China-Schwäche weiter auf den nordamerikanischen Markt setzt, der zuletzt zu den Wachstumstreibern zählte.

Neue Klasse als Hoffnungsträger, Halbjahreszahlen stehen an

Ein Lichtblick für die mittelfristige Perspektive liefert das neue Elektro-SUV der „Neuen Klasse“, der iX3. Nach Unternehmensangaben verzeichnet das Modell weltweit inzwischen fast 100.000 Vorbestellungen. Sollte sich diese Nachfrage in Auslieferungen übersetzen, könnte das Modell dem Konzern helfen, die Schwäche in China zumindest teilweise auszugleichen.

Das Analystenhaus RBC Capital bewertete die BMW-Aktie am 10. Juli mit dem Rating „Sector Perform“ – eine eher abwartende Einschätzung angesichts der eingetrübten Ergebnisaussichten. Entscheidend für die weitere Kursrichtung dürften jedoch die Halbjahreszahlen werden: BMW legt die detaillierten Ergebnisse zum 30. Juni 2026 am 30. Juli vor, begleitet von einer Telefonkonferenz für Analysten und Investoren. Erst dann wird sich zeigen, wie stark die gesenkte Margen-Guidance tatsächlich auf das Konzernergebnis durchschlägt und ob die Erholungsansätze in Europa und den USA die China-Schwäche kompensieren können.