BMW steckt in der schwersten Ergebniskrise seit Jahren. Die dritte Gewinnwarnung in drei Jahren hat das Vertrauen der Anleger erschüttert — und die Aktie auf ein Niveau gedrückt, das viele für kaum vorstellbar hielten.

Kursziele fallen, Margen brechen ein

Bernstein Research hat das Kursziel für BMW von 108 auf 85 Euro gesenkt. Analyst Stephen Reitman behält dennoch sein „Outperform“-Rating. Seine Begründung: BMW habe die Jahresziele für Umsatz, operative Marge und Cashflow nach unten korrigiert.

Jefferies war noch schärfer. Bereits am 17. Juni senkte die Bank das Kursziel von 92 auf 70 Euro — und begründete das mit anhaltender Schwäche in China sowie einem stärkeren Margeneinbruch als erwartet. Das Rating: „Hold“.

Die Zahlen hinter der Warnung sind ernüchternd. BMW erwartet für 2026 eine EBIT-Marge zwischen 1 und 3 Prozent. Zuvor hatte das Unternehmen 4 bis 6 Prozent angepeilt. Auch das Konzernergebnis vor Steuern dürfte deutlich fallen.

China schwächelt, Stellen fallen weg

Ein wesentlicher Treiber der Misere ist China. Im ersten Quartal 2026 lieferte BMW dort 10 Prozent weniger Fahrzeuge aus. Der gesamte chinesische Pkw-Markt schrumpfte um 17,5 Prozent — BMW verliert also nicht nur wegen des Marktes, sondern auch relativ zur Konkurrenz.

Als Antwort plant das Unternehmen einen massiven Stellenabbau. Bis zu 7.700 Stellen sollen bis Jahresende wegfallen, überwiegend durch natürliche Fluktuation. Parallel dazu will BMW im Herbst den neuen i3 für 65.900 Euro auf den Markt bringen — ein Versuch, im hart umkämpften Elektrosegment Boden gutzumachen.

Kurs nahe am Jahrestief, Management kauft zu

Die Aktie notiert bei rund 61 Euro und liegt damit nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 58,80 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier mehr als 36 Prozent verloren. Der RSI liegt bei 23,7 — tief im überverkauften Bereich.

Ein bemerkenswertes Gegenzeichen: Am 23. Juni kauften mehrere BMW-Führungskräfte Aktien auf dem aktuellen Niveau. Insiderkäufe in dieser Größenordnung werden am Markt oft als Signal gewertet, dass das Management das Papier für unterbewertet hält.

Konkreter Orientierungspunkt für Anleger ist der Kapitalmarkttag im September. Dort will BMW seine künftige Strategie darlegen — inklusive Details zu Kostensenkungen und Margenzielen. Bis dahin bleibt der Kurs anfällig für weitere schlechte Nachrichten aus China oder dem Elektrogeschäft.