BMW bekommt von einer Investmentbank ein widersprüchliches Signal: Höhere Einstufung, aber niedrigeres Kursziel. Die Aktie selbst kämpft weiter mit den Nachwirkungen der Gewinnwarnung vom Juni und notiert nur knapp über ihrem Jahrestief.
HSBC sieht Risiken eingepreist – und kürzt trotzdem das Ziel
HSBC hat die BMW-Aktie am 22. Juli von „Hold“ auf „Buy“ hochgestuft. Gleichzeitig senkte die Bank ihr Kursziel von 79,00 Euro auf 71,00 Euro. Analyst Mike Tyndall begründet den Schritt damit, dass sich der Renditeausblick nach der Prognosesenkung im Juni realistischer darstelle und die China-Risiken für BMW mittlerweile weitgehend im Kurs eingepreist seien. Die niedrigere Zielmarke bei gleichzeitiger Höherstufung zeigt: HSBC traut der Aktie auf dem aktuellen Niveau mehr Erholungspotenzial zu, ohne die grundsätzlichen Belastungsfaktoren zu ignorieren.
Erst wenige Tage zuvor, am 14. Juli, hatte die Deutsche Bank ihre Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 90,00 Euro bestätigt. Analyst Tim Rokossa warnte allerdings vor Belastungen durch ein schwächeres Preisniveau, die sich im anstehenden Quartalsbericht niederschlagen dürften. Zwischen dem Deutsche-Bank-Ziel von 90 Euro und der HSBC-Marke von 71 Euro liegt damit eine deutliche Spanne in der Einschätzung des Erholungspotenzials.
Rückkaufprogramm läuft weiter, Rückruf in den USA belastet
Operativ hält BMW an seinem Aktienrückkaufprogramm fest. Zwischen dem 13. und 17. Juli erwarb das Unternehmen 510.000 eigene Aktien zu Kursen zwischen 57,51 und 58,72 Euro. Der Rückkauf signalisiert Vertrauen des Managements in die eigene Bewertung, auch wenn er die grundsätzliche Kursschwäche bislang nicht aufhalten konnte.
Zusätzlichen Gegenwind lieferte am 17. Juli ein Rückruf in den USA: Rund 29.000 Plug-in-Hybride der Modellreihen 330e, 530e und 740Le aus den Baujahren 2016 bis 2020 müssen wegen Korrosionsgefahr am Anlasserrelais und daraus resultierender Brandgefahr in die Werkstatt. Am selben Tag strichen die Indexanbieter S&P und FTSE die BMW-Aktie aus dem S&P Europe 350 sowie dem FTSE All-World. Hintergrund ist eine rein technische Umstellung nach der abgeschlossenen Umwandlung der Vorzugsaktien in Stammaktien – die entsprechenden Depot-Umbuchungen waren bereits am 3. Juli abgeschlossen worden, der letzte Handelstag der Vorzugsaktien lag am 30. Juni.
Gewinnwarnung vom Juni wirkt nach
Ursprung der aktuellen Kursschwäche ist die Prognosesenkung vom 17. Juni. BMW strich damals die Jahresziele für Umsatz, die EBIT-Marge im Automobilsegment und den Free Cashflow zusammen und verwies auf Absatzschwierigkeiten in China sowie gestiegene Kosten. ODDO BHF reagierte damals mit einer Kürzung des Kursziels von 75,00 auf 60,00 Euro bei unveränderter „Neutral“-Einstufung.
Die Aktie notiert aktuell bei 57,72 Euro und liegt damit nur 1,76 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 56,72 Euro, das erst am 15. Juli markiert wurde. Seit Jahresbeginn steht ein Kursrückgang von 38,14 Prozent zu Buche. Der Relative-Stärke-Index von 33,8 deutet auf eine überverkaufte Situation hin, was zumindest technisch für kurzfristige Gegenbewegungen sprechen könnte.
Auf der Hauptversammlung im Mai hatten die Aktionäre neben der Dividende von 4,40 Euro je Stammaktie für das Geschäftsjahr 2025 auch die formelle Umwandlung der Vorzugsaktien genehmigt. Zu den Quartalszahlen im Mai hatte BMW zudem die Produktion des zweimillionsten vollelektrischen Fahrzeugs, eines i5 M60, im Werk Dingolfing gemeldet. Der nächste wichtige Termin steht bereits fest: Am 6. August legt BMW den Bericht zum zweiten Quartal und zum ersten Halbjahr 2026 vor – dann dürfte sich zeigen, wie stark die im Juni gesenkten Ziele tatsächlich greifen.
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