Eine Marge zwischen 1 und 3 Prozent — das ist das neue Ziel von BMW für das Automobilsegment 2026. Ursprünglich hatte der Konzern 4 bis 6 Prozent angepeilt. Der Absturz hat Spuren hinterlassen: Seit Jahresbeginn verlor die Aktie rund 36 Prozent.

Analysten uneins über den fairen Wert

Die Reaktion der Investmentbanken fiel deutlich aus. Goldman Sachs senkte das Kursziel von 107 auf 84 Euro, hält aber an einer Kaufempfehlung fest. Analyst Christian Frenes argumentiert, die Kursreaktion sei übertrieben — die Nettoliquidität von BMW übersteige aktuell den gesamten Marktwert des Unternehmens.

Deutlich skeptischer ist die UBS. Analyst Patrick Hummel kürzte das Ziel auf 70 Euro und stuft die Aktie mit „Neutral“ ein. Die UBS senkte die Gewinnprognosen je Aktie um bis zu 44 Prozent. Eine nennenswerte Erholung im China-Geschäft erwartet sie frühestens nach 2028.

JPMorgan bezeichnet die Prognosesenkung als „Weckruf“ für die gesamte Branche. Europäische Premiumhersteller seien im chinesischen Markt preislich schlicht nicht konkurrenzfähig.

Neue Klasse als Gegenzug

BMW zieht trotzdem die Offensive vor. Den Bestellstart für den neuen i3 (Neue Klasse) hat der Konzern auf den 18. Juni 2026 vorgezogen. Die „First Edition“ des i3 50 xDrive kostet 75.340 Euro. Der reguläre Produktionsstart folgt im August 2026.

Ob das reicht, bleibt offen. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer mahnt, BMW brauche ein grundlegend neues Geschäftsmodell — mit weniger Modellen und niedrigeren Kosten. Ab 2027 drängen chinesische Anbieter wie Xiaomi mit Modellen wie dem YU7 nach Europa.

Technisch tief überverkauft

Die Kurserholung am Freitag auf 60,96 Euro — ein Plus von 1,6 Prozent — wirkt nach dem gestrigen 52-Wochen-Tief bei 58,80 Euro zunächst wie ein Atemholen. Der RSI liegt bei 22,5, das Papier ist tief überverkauft. Zum 200-Tage-Durchschnitt fehlen noch knapp 23 Euro.

Einen kleinen Rückenwind liefern Berichte über geplante EU-Zölle auf chinesische Plug-in-Hybride. Das könnte den Druck auf dem europäischen Heimatmarkt zumindest kurzfristig dämpfen. Entscheidender wird sein, ob BMW bis zum regulären Produktionsanlauf des i3 im August erste Bestellzahlen vorlegen kann, die die Nachfrageskepsis der Analysten entkräften.