BMW steckt tief in der Krise, doch die Aktie zeigt erste Lebenszeichen. Nach der jüngsten Gewinn- und Margenflaute sowie einer gesenkten Jahresprognose stabilisiert sich das Papier um die 60-Euro-Marke. Der aktuelle Kurs von 59,62 Euro liegt nur noch 5,7 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 56,40 Euro – die Verkaufswelle scheint vorerst gestoppt.

Serienstart des neuen i3 als Signal

Der Automobilhersteller hat heute die Serienproduktion des neuen i3 gestartet – ein wichtiger Baustein im laufenden Modelloffensive-Programm. Bis Ende 2027 will BMW insgesamt 40 neue Modelle auf den Markt bringen.

Gleichzeitig trennt sich der Konzern von Auslaufmodellen: Der Z4 läuft im März 2026 aus, der 8er im April, der X4 wird durch den iX4 ersetzt. Auch die Zukunft von iX und XM gilt als fraglich. Der neue Konzernchef Milan Nedeljkovic prüft derzeit die gesamte Modellpolitik.

Parallel zur Produktoffensive fährt BMW ein umfangreiches Sparprogramm. Im indirekten Bereich sollen 8.000 Stellen abgebaut werden, teils auf freiwilliger Basis. Diese Maßnahme reiht sich ein in einen branchenweiten Trend: Auch Volkswagen plant, mehr als 5.000 von 21.500 Managerstellen bis 2030 zu streichen, während der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer seine Führungsebene bereits von 17.000 auf 5.000 Positionen reduziert hat.

Charttechnik liefert die entscheidende Marke

Für Anleger ist derzeit vor allem ein technisches Niveau relevant: Analysten sehen bei einem Ausbruch über 60,98 Euro Potenzial für einen Anstieg in Richtung 65 bis 70 Euro.

Die Aktie nähert sich damit ihrer 50-Tage-Linie, die aktuell bei 60,70 Euro verläuft – knapp oberhalb des derzeitigen Kursniveaus. Ob die Trendwende tatsächlich gelingt, bleibt unter Analysten umstritten, da die strukturellen Probleme in China und im Elektroauto-Geschäft weiterhin belasten.

Belastend wirkt weiterhin das schwache China-Geschäft, wo BMW mit sinkenden Absatzzahlen und wachsendem Wettbewerbsdruck bei E-Autos kämpft. Der Konzern hatte deshalb seine Jahresprognose gesenkt.

Der Umbau mit Kostensenkungen, Stellenabbau und der strategischen „Neue Klasse“-Modellreihe soll den Konzern wieder auf profitables Wachstum trimmen. Einige Marktbeobachter halten die Aktie wegen der niedrigen Bewertung und der Dividendenrendite für langfristig orientierte Anleger inzwischen als attraktiv.

Nachhaltigkeit als weiteres Standbein

Neben der operativen Sanierung treibt BMW auch die Kreislaufwirtschaft voran. Im sogenannten Car2Car-Projekt hat der Konzern die Recyclingquote von 6 auf 51 Prozent gesteigert. Bei Stahl liegt die Recyclingquote inzwischen bei 81 Prozent, bei Aluminium bei 52 Prozent und bei Kupfer bei 68 Prozent.

Im Werk Leipzig verarbeitet BMW bereits mehr als 100.000 Serienteile aus recyceltem Stahl. Für die Kernfrage der Anleger – gelingt der Turnaround – liefert dies zwar keine kurzfristige Antwort, unterstreicht aber den langfristigen strategischen Umbau des Konzerns über die reine Modellpolitik hinaus.

Ob die Stabilisierung um die 60-Euro-Marke tatsächlich eine Bodenbildung markiert, wird sich an der 60,98-Euro-Schwelle entscheiden. Erst ein nachhaltiger Ausbruch darüber würde das charttechnische Bild spürbar aufhellen.