BMW hält heute einen Pre-Close Call ab. Das Timing könnte kaum brisanter sein. Der Konzern hatte erst am 16. Juni seine Gewinnprognose deutlich gekappt, seither steht die Aktie unter massivem Druck.

Am Donnerstag schloss das Papier bei 58,44 Euro. Nur 2,42 Prozent trennen den Kurs vom 52-Wochen-Tief bei 57,06 Euro, erreicht erst am 30. Juni. Auf Jahressicht steht ein Minus von 39,07 Prozent zu Buche, allein in den vergangenen 30 Tagen verlor die Aktie 13,60 Prozent.

Gekappte Marge und Verkaufsdruck durch Indizes

Der Auslöser der Talfahrt liegt schon einige Wochen zurück. BMW senkte Mitte Juni die EBIT-Margen-Prognose für das Automobilsegment 2026 von 4 bis 6 Prozent auf nur noch 1 bis 3 Prozent. Als Gründe nannte der Konzern die schwache Nachfrage in China und die Folgen des Nahost-Konflikts.

Zu diesem fundamentalen Problem kommt ein technischer hinzu. Zum 1. Juli flog BMW aus dem S&P Europe 350 und dem FTSE All-World Index. Grund ist eine Kapitalreform: BMW wandelte Vorzugsaktien in Stammaktien um und erhöhte so den Streubesitz um rund 19 Prozent.

Die Indexanbieter mussten ihre Kriterien neu bewerten. Die Folge: Passive Fonds, die diese Indizes nachbilden, müssen ihre BMW-Positionen abbauen. Das verstärkt den Verkaufsdruck zusätzlich zur ohnehin schwachen fundamentalen Lage.

Die technischen Indikatoren zeichnen ein eindeutiges Bild. Der RSI liegt bei 31,4 und signalisiert eine überverkaufte Aktie. Der Kurs notiert 15,95 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und sogar 28,85 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 82,13 Euro.

China schwächelt, USA liefern Gegengewicht

Der chinesische Markt bleibt das Kernproblem. Heimische Hersteller gewinnen dort kontinuierlich Marktanteile, der Wettbewerb ist hart. BMW muss in diesem Umfeld Preise durchsetzen, ohne Volumen zu verlieren – ein Balanceakt, der laut Prognosekorrektur bislang nicht gelingt.

In den USA läuft es dagegen deutlich besser. Im zweiten Quartal verkaufte BMW dort über 102.000 Fahrzeuge, ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Margenstarke SUVs treiben das Geschäft an.

Operativ setzt BMW auf Elektrifizierung. Seit Anfang Juli läuft die Produktion von E-Motoren im österreichischen Werk Steyr im Zweischichtbetrieb. Dort entstehen Antriebe für die „Neue Klasse“, das Werk plant für 2026 mit deutlich über 100.000 Einheiten.

Halbjahresbericht als nächster Prüfstein

Der heutige Pre-Close Call dürfte vor allem Fragen zum Sparprogramm und zur China-Strategie beantworten. Investoren erwarten konkrete Maßnahmen, wie BMW die gekappte Marge stabilisieren will. Der eigentliche Belastungstest folgt aber erst später.

Am 30. Juli veröffentlicht BMW den Halbjahresbericht. Dann zeigt sich, ob die Prognosekorrektur vom Juni ausreicht oder ob weitere Anpassungen nötig werden. Bis dahin bleibt die Aktie technisch angeschlagen und fundamental unter Beobachtung.