Dorothea von Boxberg übernimmt zum 1. September ihr neues Vorstandsmandat bei BMW – zu einem Zeitpunkt, an dem der Konzern gleichzeitig seine Fabriken auf Elektroantriebe umstellt und Kosten drückt.

Die 52-Jährige war zuvor CEO von Brussels Airlines und hatte davor mehrere Führungsfunktionen bei der Lufthansa AG sowie bei Lufthansa Cargo inne, wo sie unter anderem als Vorstandsvorsitzende und Finanzchefin tätig war. Bei BMW folgt sie als Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektorin auf Ilka Horstmeier.

Der Führungswechsel fällt in eine Phase, in der BMW sein Produktionsnetzwerk neu ausrichtet. Im Werk München startete im August die Serienproduktion des BMW i3, dem zweiten Modell auf der neuen „Neue Klasse“-Plattform.

Mit dem Anlauf sanken die Produktionskosten nach Unternehmensangaben um weitere zehn Prozent gegenüber der aktuellen Fahrzeuggeneration. Ab 2027 soll das Münchner Werk ausschließlich vollelektrische Fahrzeuge fertigen.

Auch international treibt BMW den Umbau voran: Im mexikanischen Werk San Luis Potosí sollen ab 2027 der iX3 und der i3 der Neue-Klasse-Baureihe vom Band laufen, in den USA montiert das Werk Woodruff bereits seit diesem Jahr Hochvoltbatterien, während Spartanburg bis Jahresende die Fertigung vollelektrischer Fahrzeuge aufnehmen soll.

Elektro-Meilenstein trifft auf schwächelndes Kerngeschäft

Der technologische Fortschritt kontrastiert mit der operativen Lage. Im Mai lief in Dingolfing das zweimillionste Elektroauto des Konzerns vom Band, ein BMW i5 M60 xDrive. Solche Meilensteine ändern jedoch nichts daran, dass BMW im Juni seine Jahresprognose kappen musste – belastet durch die Lage in China, den Iran-Krieg und gestiegene Energiekosten.

Die operative Marge im Automobilsegment sackte in der Zielspanne von vier bis sechs auf ein bis drei Prozent ab, das Konzernergebnis vor Steuern sollte demnach deutlich statt nur moderat zurückgehen.

Vor rund einem Monat bestätigte sich diese Entwicklung in den Halbjahreszahlen, seither hat sich der Kurs um 3,7 Prozent erholt. Die Ankündigung eines Abfindungsprogramms für bis zu 8.000 Arbeitsplätze außerhalb der direkten Produktion, vor allem in Verwaltung und Entwicklung, brachte dem Papier im selben Zeitraum ein Plus von 5,8 Prozent.

Der Stellenabbau soll im Oktober beginnen und bis Ende 2027 abgeschlossen sein, mit einer angestrebten jährlichen Einsparung von rund einer Milliarde Euro ab 2028. Für dieses Restrukturierungsprogramm hat der Vorstand mittlerweile eine Vereinbarung mit dem Betriebsrat erzielt – ein Thema, das nun in den Zuständigkeitsbereich der neuen Arbeitsdirektorin von Boxberg fällt.

Aktie zeigt technische Stabilisierung

An der Börse hat sich das Papier zuletzt gefangen. Am Freitag schloss die Aktie bei 62,90 Euro, ein Plus von 1,6 Prozent auf Tagesbasis. Über die vergangenen 30 Tage summiert sich der Anstieg auf 5,4 Prozent, und der Kurs liegt mittlerweile 6,2 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt – ein Signal für eine kurzfristige Stabilisierung nach dem Ausverkauf der Vormonate.

Zum Jahreshoch von 97,90 Euro, notiert im Dezember 2025, bleibt allerdings weiterhin ein deutlicher Abstand von 36 Prozent, und auch der 200-Tage-Durchschnitt liegt mit einem Minus von 18 Prozent noch außer Reichweite.

Der Umbau bei BMW verläuft damit auf mehreren Ebenen gleichzeitig: personell mit dem Führungswechsel im Vorstand, industriell mit dem Hochlauf der Elektroplattform und finanziell mit dem laufenden Sparprogramm. Ob die eingeleiteten Maßnahmen ausreichen, um die im Sommer gesenkte Gewinnprognose zu stabilisieren, dürfte sich erst in den kommenden Quartalen zeigen.