Normalerweise sorgt die Ankündigung von Tausenden Jobstreichungen für Nervosität an der Börse. Bei BMW ist das Gegenteil der Fall: Die Aktie legte am Mittwochvormittag im XETRA-Handel zeitweise über ein Prozent zu und kletterte auf gut 60 Euro. Der Grund: Konzernkreise bestätigten den Abbau von weltweit rund 8.000 Stellen — und der Markt liest das als Zeichen für endlich entschlossenes Kostenmanagement.
Freiwillig, aber nicht klein
Der Personalabbau soll ohne Kündigungswelle ablaufen. Stattdessen setzt BMW auf natürliche Fluktuation und ein freiwilliges Abfindungsprogramm in Deutschland, das von Oktober 2026 bis Ende 2027 laufen soll. Betroffen sind Mitarbeiter außerhalb der direkten Produktion, vor allem in Verwaltung und Entwicklung — nicht selektiv, sondern offen für alle in diesem Bereich.
Da mehr als die Hälfte der knapp 154.000 BMW-Beschäftigten in Deutschland arbeitet, dürfte auch der Großteil der gestrichenen Stellen hier anfallen. Nach Berichten soll das Programm ab 2028 jährliche Einsparungen von rund einer Milliarde Euro bringen. Einmalige Restrukturierungskosten in ähnlicher Höhe hatte Finanzchef Walter Mertl bereits im Juni angedeutet, ohne diese vollständig dem Personalabbau zuzuordnen.
Nedeljkovics erste große Aufgabe
Die Pläne kommen nicht überraschend. Seit Mitte Juni wird über ein Abbauprogramm spekuliert, nachdem der erst kurz zuvor zum Konzernchef aufgestiegene Milan Nedeljkovic eine Gewinnwarnung aussprechen musste. Der Gesamtbetriebsrat hatte damals umgehende Gespräche gefordert — diese sind nun binnen sechs Wochen abgeschlossen, für BMW-Verhältnisse in gewohnt geräuschloser Manier.
Lange war BMW der letzte große deutsche Autobauer ohne größeres Abbauprogramm. Volkswagen, Mercedes-Benz, Audi und Porsche haben bereits im vergangenen Jahr Stellenstreichungen verkündet, teils in deutlich größerem Umfang. Die Belegschaft bei BMW schrumpfte bereits vor der aktuellen Ankündigung leicht — von Mitte 2025 bis Mitte 2026 um rund 2.000 Mitarbeiter.
Als Treiber gelten der Einbruch des chinesischen Marktes, US-Zölle sowie wachsender Konkurrenzdruck durch chinesische Hersteller. Hinzu kommt ein hausgemachter Faktor: Die millionenschweren Entwicklungskosten für die „Neue Klasse“ sollen nach dem technologischen Sprung wieder sinken — auch beim Personal.
Wie sich das alles finanziell niederschlägt, zeigt sich an diesem Donnerstag. Dann legt BMW seine Halbjahreszahlen vor — die ersten, an denen Nedeljkovic als Konzernchef mitgewirkt hat. Nach der Gewinnwarnung im Juni und zuletzt schwächeren Absatzzahlen dürfte der Blick der Anleger vor allem darauf gerichtet sein, wie stark die Kostendisziplin bereits durchschlägt.
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