Ausgangslage
BMW steckt in der tiefsten Ergebniskrise seit Jahren. Im zweiten Quartal 2026 brach der operative Gewinn im Automobilgeschäft um mehr als 60 Prozent auf 629 Millionen Euro ein, der Konzerngewinn nach Steuern sank auf 1,2 Milliarden Euro. Die EBIT-Marge im Kerngeschäft schmolz von 5,4 auf nur noch 2,3 Prozent.
Hauptgrund war der chinesische Markt, wo die Auslieferungen im Quartal um 30,2 Prozent einbrachen. Als Antwort kündigte der Konzern den Abbau von rund 8000 Stellen bis 2027 an und stellt dafür rund eine Milliarde Euro zurück. Parallel läuft das Aktienrückkaufprogramm 2025/2027 unbeirrt weiter – zuletzt kaufte BMW zwischen dem 10. und 16. August fast 525.000 eigene Aktien zurück.
Die Aktie selbst notiert bei 58,48 Euro, kaum drei Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief, während sie seit Jahresbeginn rund 37 Prozent verloren hat. Genau jetzt entscheidet sich, ob der eingeleitete Sparkurs die Bewertung stabilisieren kann, bevor die Jahresguidance für 2026 – eine EBIT-Marge von nur 1 bis 3 Prozent – tatsächlich eintritt.
Die entscheidende Frage
Der Knackpunkt für Anleger ist nicht der Stellenabbau selbst, sondern das Tempo der China-Erholung. Im ersten Halbjahr summierte sich der Rückgang dort bereits auf 20,4 Prozent.
Solange dieser Markt schwächelt, dürfte auch das beste Kostenprogramm die Marge nur begrenzt stabilisieren – China war traditionell der Ergebnistreiber der Marke. Zugleich hängt viel davon ab, wie schnell die neue Elektro-Offensive mit BMW iX3 und dem im Werk München anlaufenden i3 Nachfrage sowohl in Europa als auch in China zurückholt.
Die BEV-Auslieferungen legten im zweiten Quartal immerhin um 5,2 Prozent auf 116.807 Stück zu, und der Konzern sieht sich auf Kurs für 100.000 Auftragseingänge beim iX3. Ob diese Modelloffensive das Volumen- und Margenloch in China kompensieren kann, ist die Kennzahl, an der sich die Bewertung der Aktie in den kommenden Quartalen entscheidet.
Bullisches Szenario
Gelingt es BMW, die angekündigten Effizienzmaßnahmen zügig umzusetzen, ohne dass es zu betriebsbedingten Kündigungen und damit zu Verwerfungen im Betriebsklima kommt, könnte die Kostenbasis spürbar sinken. Finanzvorstand Walter Mertl sprach von einer Beschleunigung der Effizienzmaßnahmen nach bereits 2,5 Milliarden Euro Einsparungen im Vorjahr.
Läuft parallel die Serienproduktion des neuen i3 in München wie geplant mit steiler Anlaufkurve, und zieht der iX3 tatsächlich in Richtung 100.000 Aufträge, könnte die Marge in den kommenden Quartalen die Talsohle durchschreiten.
Die laufenden Aktienrückkäufe stützen zusätzlich die Nachfrage nach der Aktie, die mit einem Abstand von rund 40 Prozent zum 52-Wochen-Hoch inzwischen deutlich günstiger bewertet ist als noch vor einem Jahr. Eine Stabilisierung in China – selbst ohne Wachstum – würde bereits reichen, um die Ergebnisbasis zu entlasten.
Bärisches Szenario
Das Risiko liegt in der Kombination aus strukturellem China-Problem und einem margenschwachen Übergangsjahr. Die vom Konzern selbst ausgegebene Guidance einer EBIT-Marge von lediglich 1 bis 3 Prozent für 2026 lässt wenig Puffer für weitere Rückschläge.
Sollte sich der Absatzrückgang in China nicht verlangsamen, könnte der Stellenabbau zwar Kosten senken, aber das strukturelle Umsatzproblem nicht lösen.
Auch der Wechsel im Vorstand – Dorothea von Boxberg übernimmt zum 1. September das Amt von Ilka Horstmeier – bringt eine gewisse Unsicherheit in einer ohnehin angespannten Phase, auch wenn von Boxberg als frühere Vorstandschefin von Brussels Airlines Führungserfahrung mitbringt.
Am Kapitalmarkt hat sich die Skepsis bereits niedergeschlagen: RBC Capital Markets senkte Mitte August das Kursziel auf 60 Euro, DZ Bank stufte die Aktie im Zuge der Quartalszahlen von Buy auf Hold zurück und senkte das Ziel auf 65 Euro. Ein anhaltend schwacher chinesischer Markt könnte diese vorsichtige Haltung weiter verfestigen.
Ausblick
Solange die Kostensenkungen ohne größere soziale Verwerfungen greifen und die China-Auslieferungen sich zumindest stabilisieren, hat BMW eine realistische Chance, die Talsohle bei der Marge in den kommenden Quartalen zu durchschreiten – gestützt durch die laufenden Aktienrückkäufe.
Kippt die Nachfrage in China hingegen weiter ab oder verzögert sich der Hochlauf der neuen Elektromodelle, dürfte die für 2026 ausgegebene Margenspanne von 1 bis 3 Prozent zum realistischen Basisszenario werden statt zur Untergrenze.
Der nächste konkrete Prüfstein ist der Amtsantritt von Dorothea von Boxberg im Vorstand am 1. September, gefolgt von den Zahlen zum dritten Quartal, die zeigen müssen, ob sich der China-Rückgang tatsächlich verlangsamt.
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