Fast ein Jahrzehnt Verspätung, ein Kurssprung an einem einzigen Handelstag: Die 737 Max 7 hat am Montag endlich ihre Zulassung erhalten. Für Boeing ist das mehr als nur eine Randnotiz aus der Zulassungsbürokratie – es ist ein Signal, dass sich die jahrelange Hängepartie um die Modellfamilie langsam auflöst.

Zulassung nach jahrelanger Hängepartie

Ursprünglich sollte die 737 Max 7 bereits 2019 abheben. Nach den tödlichen Abstürzen der größeren Max-8-Variante, bei denen 346 Menschen ums Leben kamen, verschärfte die US-Luftfahrtbehörde FAA ihre Prüfungen deutlich. Hinzu kamen jahrelange Qualitäts- und Produktionsprobleme bei Boeing selbst.

Boeing hat für den Typ, der je nach Konfiguration 135 bis 160 Passagiere über bis zu 7.000 Kilometer transportiert, bereits mehr als 280 Bestellungen gesammelt. Southwest Airlines, wichtigster Kunde für das Modell, plant den Einsatz wegen laufender Kabinenumbauten allerdings erst für das kommende Jahr.

Die Aktie reagierte deutlich: Der Kurs sprang am Montag zeitweise um 7,64 Prozent auf 232,75 Dollar. Der Ausschlag traf auf eine ohnehin optimistische Analystenstimmung. RBC beließ die Einstufung „Outperform“ mit Kursziel 265 Dollar, Jefferies bestätigte „Buy“ mit einem Ziel von 295 Dollar, während Exane BNP Paribas die Aktie ebenfalls auf „Outperform“ hochstufte.

Erholung mit Schönheitsfehlern

Operativ zeigt sich der Trend bereits im zweiten Quartal 2026: Der Umsatz wuchs um 8 Prozent auf 24,6 Milliarden Dollar, die Auslieferungen kletterten auf 171 Maschinen. Das unterstreicht, dass die Fabriken trotz aller Governance-Probleme wieder Tempo aufnehmen.

Auch der Auftragsbestand belegt die Nachfrage. Konzernweit warten mittlerweile rund 6.200 Flugzeuge auf ihre Fertigstellung, nach Marktwert ein Rekord von 715 Milliarden Dollar. Unterm Strich blieb dennoch ein bereinigter Verlust von 0,76 Dollar je Aktie stehen.

Der US-Marktkommentator Jim Cramer ordnete den Kurssprung in einen größeren Rahmen ein: Boeing werde an der Börse zunehmend als Wettspiel auf die geopolitische Lage im Nahen Osten gehandelt, statt anhand seiner Geschäftszahlen bewertet zu werden. Steigt die Hoffnung auf Diplomatie, kaufen Anleger die Aktie, eskaliert der Konflikt, verkaufen sie wieder. Langfristig zähle aber der Auftragsbestand und der Cashflow, nicht die tägliche Nachrichtenlage.

Verglichen mit Airbus hinkt Boeing bei der Profitabilität weiterhin hinterher. Der europäische Rivale steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr 2026 um 12 Prozent auf 33,2 Milliarden Euro und wies ein bereinigtes EBIT von 2,73 Milliarden Euro aus – Werte, von denen Boeing noch entfernt ist.

Der nächste Prüfstein folgt zeitnah: Die größere 737 Max 10 soll noch in diesem Jahr die FAA-Zulassung erhalten. Gelingt das, wäre die komplette Max-Familie erstmals seit Jahren vollständig im Liniendienst – ein Meilenstein, den der Konzern braucht, um Produktion und Cashflow weiter hochzufahren.