Die Boeing-Aktie hat am Montag einen deutlichen Rücksetzer erlitten, konnte sich am Dienstag jedoch spürbar erholen. Auslöser des Kursrutsches war ein öffentlich gewordener Softwarefehler bei der 737 MAX, der zeitweise mehr als sechs Prozent Kursverlust auslöste. Am Dienstag zählte Boeing im Dow Jones dann zu den Gewinnern und legte um rund drei Prozent zu — ein Zeichen, dass Anleger die Nachricht inzwischen differenzierter einordnen.

Softwarefehler bremst wichtige Zertifizierung

Der Fehler betrifft die automatisierte vertikale Navigation bestimmter 737-MAX-Maschinen: Nach einem abgebrochenen Landeversuch steht sie bei weiteren Anläufen zunächst nicht zur Verfügung, Piloten müssen dann auf eine niedrigere Automatisierungsstufe zurückgreifen.

Boeing betont, dass Piloten für genau solche Situationen ausgebildet seien, und arbeitet an einem dauerhaften Software-Update. Unklar bleibt bislang, wie viele der über 2.000 ausgelieferten 737-MAX-Maschinen betroffen sind.

Brisant ist der Zeitpunkt: Die US-Luftfahrtbehörde FAA wollte die lange erwartete Zertifizierung der 737 MAX 10 eigentlich in den kommenden Wochen erteilen. Für die Version mit bis zu 230 Sitzen liegen bereits mehr als 1.500 Bestellungen vor — ein wichtiger Baustein im Wettbewerb mit Airbus. Nun verschiebt sich die Entscheidung, bis die Behörde das neue Problem bewertet hat.

Der Fall reiht sich in eine lange Liste von Qualitätsproblemen der 737-MAX-Familie ein, angefangen bei den tödlichen Abstürzen 2018 und 2019 bis zum herausgebrochenen Rumpfteil im Januar 2024. Jeder neue Zwischenfall nährt Zweifel an Boeings Qualitätsmanagement, auch wenn der aktuelle Fehler bislang ohne Personenschaden blieb.

Weitere Baustellen: München und Starliner

Parallel sorgt ein Zwischenbericht zum Beinahe-Unfall einer Vietnam-Airlines-Boeing 787-9 in München für Gesprächsstoff. Die Maschine war Mitte August beim Start über die Startbahn hinausgeschossen, nachdem die Bremsen ausgelöst und gehalten worden waren — ob menschliches oder technisches Versagen die Ursache war, bleibt laut der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung offen. Ein Abschlussbericht wird erst in etwa einem Jahr erwartet.

Auf der Habenseite steht das Raumfahrtgeschäft: Die NASA hat angekündigt, zwei zusätzliche Crew-Missionen mit Boeings Starliner-Raumschiff zu vergeben, nachdem frühere Flüge mit technischen Problemen kämpften. Eine unbemannte Testmission ist für Ende 2026 oder Anfang 2027 geplant, bemannte Flüge sollen 2028 folgen.

Für die Aktie bleibt die FAA-Entscheidung zur 737 MAX 10 der entscheidende nächste Termin. Solange die Behörde ihre Bewertung des Softwarefehlers nicht abgeschlossen hat, dürfte die Zertifizierung der wichtigen Modellvariante auf sich warten lassen.