Die Aktien von Boston Scientific haben zuletzt eine deutliche Korrektur erfahren, die durch die Entfernung des Unternehmens aus den Russell-Growth-Benchmarks Ende Juni beziehungsweise Anfang Juli 2026 weiter angeheizt wurde. Während der Medizintechnik-Spezialist operativ mit Herausforderungen in Kernsegmenten wie der Elektrophysiologie und dem WATCHMAN-Portfolio kämpft, setzen Großinvestoren und Analysten weiterhin auf das langfristige Potenzial des Konzerns.

Operative Schwäche und gesenkte Prognosen

Das Management von Boston Scientific sah sich zuletzt gezwungen, die Prognosen für das Geschäftsjahr 2026 anzupassen. Das erwartete organische Umsatzwachstum wurde auf eine Spanne von 6,5 % bis 8 % revidiert. Hintergrund für diese Vorsicht ist eine spürbare Schwäche in den Bereichen WATCHMAN, Elektrophysiologie und Urologie. Für das Gesamtjahr 2026 wird nun ein bereinigter Gewinn je Aktie (EPS) zwischen 3,34 USD und 3,41 USD angestrebt. Trefis-Analysen zufolge impliziert der Optionsmarkt derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 68 %, dass sich der Aktienkurs innerhalb der nächsten zwölf Monate in einer Spanne zwischen 30 USD und 70 USD bewegen wird.

Aktuell notiert die Aktie bei 39,59 €, was einem Plus von 0,85 % gegenüber dem Vortag entspricht. Dennoch bleibt die Bilanz seit Jahresbeginn mit einem Minus von 51,12 % massiv belastet. Vom 52-Wochen-Hoch, das am 30. Juli 2025 bei 93,60 € markiert wurde, ist das Papier mit einem Abschlag von 57,70 % weit entfernt. Erst am 30. Juni 2026 wurde ein Jahrestief bei 37,08 € erreicht, von dem sich der Kurs seither nur leicht erholen konnte. Die Marktkapitalisierung beläuft sich derzeit auf umgerechnet 58,86 Milliarden €.

Akquisitionen und finanzielle Stabilität

Trotz der kurzfristigen Kursverluste bleibt Boston Scientific auf Expansionskurs. Das Unternehmen investiert rund 1,5 Milliarden USD in MiRus, um sich Optionen im Bereich der Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVR) zu sichern. Parallel dazu belastet die Übernahme von Penumbra kurzfristig die Bilanz. Diese Akquisition führt laut Analysen von Simply Wall St voraussichtlich zu einer EPS-Verdünnung von 0,06 USD bis 0,08 USD im ersten vollen Jahr. Durch den Deal steigt die Verschuldung auf etwa 11 Milliarden USD, was einem Verschuldungsgrad vom 3,3-fachen des bereinigten EBITDA bis Ende 2026 entspricht.

Zusätzliche Unsicherheit brachten Berichte über den Abschluss eines Class-II-Rückrufs für Orca-Ventile. Dennoch bleibt das Management für die Jahre 2027 und 2028 optimistisch gestimmt. Ein vom Board genehmigtes Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 5 Milliarden USD soll zudem den Shareholder Value stützen.

Insiderkäufe und Analysteneinschätzungen

Ein positives Signal kam zuletzt aus der Teppich-Etage des Unternehmens: Mehrere Mitglieder des Board of Directors nutzten das niedrigere Kursniveau für Zukäufe. So erwarb Director Ludwig im Mai 3.580 Aktien zu einem Preis von 56,68 USD. Auch Director Pegus (1.770 Aktien zu 56,49 USD) und Director Habiger (2.250 Aktien zu 55,92 USD) traten als Käufer auf.

Auf der Analystenseite überwiegt trotz der Kursverluste die Zuversicht. Die Analystin Joanne Wuensch von Citi bekräftigte ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 70 USD. Evercore ISI sieht das Kursziel bei 65 USD, während der Konsens laut MarketBeat bei einem „Moderate Buy“ mit einem durchschnittlichen Zielwert von 81,32 USD liegt. Die nächsten wichtigen Impulse werden für den 29. Juli 2026 erwartet, wenn Boston Scientific die Ergebnisse für das zweite Quartal vorlegt. In einem früheren Bericht für das erste Quartal konnte das Unternehmen mit einem EPS von 0,80 USD und einem Umsatz von 5,2 Milliarden USD die Markterwartungen leicht übertreffen.