Zum zweiten Mal in kurzer Zeit nimmt Boston Scientific die Jahresziele zurück. Mit den Zahlen zum dritten Quartal rutscht der Medizintechnikkonzern beim Gewinn je Aktie unter die Erwartungen, und der Ausblick fürs Schlussquartal fällt schwächer aus als gedacht.

Zahlen im Detail

Der Umsatz stieg um 1,5 Prozent auf 5,14 Milliarden Dollar und übertraf damit knapp die Konsensschätzung. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 0,73 Dollar, nach 0,75 Dollar im Vorjahr.

Analysten hatten mit 0,75 Dollar gerechnet. Unter dem Strich blieben 582 Millionen Dollar oder 0,40 Dollar je Aktie, nach 755 Millionen Dollar im Vorjahresquartal.

Die Segmente entwickelten sich unterschiedlich. Die Neuromodulation wuchs organisch um 13 Prozent, das Kardiovaskulär-Geschäft um 1,9 Prozent. Urologie und Endoskopie gaben dagegen nach. Regional schwächelten die USA mit einem Plus von nur 0,5 Prozent, während Europa, Nahost und Afrika operativ um 6,1 Prozent zulegten.

Ausblick unter Konsens

Schwerer wiegt der Blick nach vorn. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet das Management nun einen bereinigten Gewinn von 3,16 bis 3,18 Dollar je Aktie. Zuvor standen 3,28 bis 3,32 Dollar im Plan. Das Umsatzwachstum soll organisch nur noch bei rund 3,75 Prozent liegen, bisher waren fünf bis sechs Prozent angepeilt.

Für das vierte Quartal rechnet der Konzern sogar mit sinkenden Erlösen, und zwar um ein bis drei Prozent. Der erwartete Gewinn von 0,77 bis 0,79 Dollar je Aktie liegt unter der Analystenschätzung von 0,83 Dollar. Auch das Jahresziel verfehlt den Konsens von 3,24 Dollar.

Als Belastung nennt das Unternehmen die Folgen des Cyberangriffs, der Ende August bekannt wurde. Konzernchef Mike Mahoney sprach von einem „herausfordernden Jahr“ und lobte den Einsatz der Teams bei der Wiederherstellung des Betriebs. An der langfristigen Strategie hält er fest.

Pipeline und Kursreaktion

Operativ gab es durchaus Fortschritte. Die Studie zum weiterentwickelten Herzohrverschluss Watchman Elite hat die Patientenaufnahme begonnen, die US-Arzneimittelbehörde FDA erteilte mehrere Zulassungen im Urologie- und Gefäßbereich. Hinzu kommt eine Kooperation mit Heartflow zur KI-gestützten Planung von Herzkatheter-Eingriffen.

Der Markt sah zunächst über diese Punkte hinweg. Vorbörslich gab die Aktie um rund 2,6 Prozent auf etwa 43,91 Dollar nach. Auf Sicht von zwölf Monaten hat sie bereits gut die Hälfte ihres Werts verloren. Zudem registrierten Analysten in den vergangenen 90 Tagen 20 Abwärtsrevisionen bei den Gewinnschätzungen und keine einzige nach oben.

Heute um 8:00 Uhr Ortszeit an der US-Ostküste stellt sich das Management in der Telefonkonferenz den Fragen der Analysten. Dort dürfte sich zeigen, wie viel des schwachen Schlussquartals auf den Cyberangriff entfällt und wie viel auf das Kerngeschäft.