BP erhält nach starken Quartalszahlen und dem Abschluss des Castrol-Verkaufs mehr Rückhalt von Analysten. UBS und Wells Fargo haben heute ihre Kursziele angehoben. Gleichzeitig fließen BP aus dem Verkauf von 65 % des Schmierstoffgeschäfts an Stonepeak netto nach Steuern 6 Mrd. US-Dollar zu. Das Geld soll den Schuldenabbau unterstützen.

Für Anleger verbindet sich damit eine bessere Bilanz mit der Frage nach künftigen Ausschüttungen. Während Wells Fargo Spielraum für höhere Aktionärsrenditen sieht, setzt BP verfügbare Mittel zunächst vorrangig zur Schuldensenkung ein. Die operative Stärke führt damit nicht automatisch zu einer unmittelbar großzügigeren Ausschüttungspolitik.

Höhere Kursziele nach starken Ergebnissen

UBS-Analyst Joshua Stone hob das Kursziel von 700 auf 725 Pence an und bestätigte die Kaufempfehlung. Nach seiner Einschätzung übertraf BP im dritten Quartal zum dritten Mal in Folge die Erwartungen. Das bereinigte Nettoergebnis lag laut UBS 15 % über der Konsensschätzung.

Die positive Einschätzung beruht damit nicht allein auf dem Verkaufserlös. Auch das operative Geschäft lieferte aus Sicht der Analysten überzeugende Ergebnisse. Für die Bewertung ist diese Unterscheidung wichtig: Ein Beteiligungsverkauf bringt einmalig Geld ein, während die Quartalszahlen die laufende Ertragskraft abbilden.

Wells Fargo erhöhte das Kursziel von 57 auf 63 US-Dollar und bestätigte die Einstufung „Übergewichten“. Das Haus sieht durch den Schuldenabbau Spielraum für Aktionärsrenditen im Jahr 2027.

Besonders der operative Mittelzufluss stützt diese Einschätzung. Ohne Veränderungen des Betriebskapitals erreichte er im dritten Quartal 2026 laut Wells Fargo 14,3 Mrd. US-Dollar. Das lag über der hauseigenen Schätzung von 12,9 Mrd. US-Dollar.

Castrol bleibt teilweise im Konzern

Mit dem heute abgeschlossenen Verkauf gibt BP die Mehrheit an Castrol ab, bleibt aber am künftigen Geschäft beteiligt. Damit verbindet der Konzern einen unmittelbaren Mittelzufluss mit einer fortbestehenden Beteiligung an der Entwicklung der Schmierstoffmarke.

BP behält 35 % an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen. Nach einer zweijährigen Sperrfrist kann der Konzern auch den verbleibenden Anteil verkaufen. Stonepeak hat den früheren Shell-Chef Ben van Beurden zum Vorsitzenden des neuen Castrol-Verwaltungsrats ernannt.

Laut Reuters hat BP sein Nettoschuldenziel bereits ein Jahr früher als geplant erreicht. Der Castrol-Erlös soll die Finanzen zusätzlich stärken. Daraus folgt allerdings noch keine Zusage für weitere Aktienrückkäufe oder eine höhere Dividende.

Strategievorstellung als nächster Prüfstein

Im Dezember will Vorstandschefin Meg O’Neill die langfristige BP-Strategie vorstellen. Dann wird sich zeigen, wie der Konzern Schuldenabbau, Investitionen und Ausschüttungen künftig gewichten will. Die Analysten sehen dafür bessere finanzielle Voraussetzungen; konkrete Entscheidungen ersetzt diese Einschätzung nicht.

An der Börse überwiegt heute dennoch Zurückhaltung: Die BP-Aktie verliert -2,0%. Die höheren Kursziele sorgen somit zunächst nicht für Rückenwind. Entscheidend bleibt, wie BP den gewonnenen finanziellen Spielraum in seiner kommenden Strategie nutzt.