Die Eskalation um die Straße von Hormus beschert BP einen kräftigen Rückenwind – und gleichzeitig eine unangenehme Randnotiz. Der britische Energiekonzern kündigte für das zweite Quartal deutlich stärkere Ergebnisse an, als Analysten es noch vor Wochen erwartet hatten. Im gleichen Atemzug musste das Unternehmen aber eine Milliardenabschreibung einräumen, die ausgerechnet das Geschäft mit erneuerbaren Energien trifft.
Preisrally hievt fast alle Sparten nach oben
Der Auslöser ist bekannt: Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran hat den Iran dazu gebracht, die Straße von Hormus faktisch zu blockieren. Das trieb Brent-Öl im zweiten Quartal auf einen Durchschnitt von rund 97 Dollar je Barrel – nach 78 Dollar im ersten Quartal und noch 67 Dollar vor einem Jahr. BP profitiert davon in nahezu allen Segmenten.
Im Öl- und Gasgeschäft rechnet der Konzern mit einem Gewinnschub zwischen 1,8 und 2,1 Milliarden Dollar gegenüber dem Vorquartal. Die Raffineriesparte soll durch bessere Margen zusätzlich 1,2 bis 1,4 Milliarden Dollar beisteuern, während auch das ohnehin schon außergewöhnlich starke Öl-Trading nochmals leicht zulegen dürfte. Citigroup reagierte prompt und hob die Gewinnschätzung je Aktie um 18 Prozent an.
Abschreibung trifft die grüne Sparte
Die Kehrseite: BP kündigte für das zweite Quartal Wertminderungen von rund einer Milliarde Dollar an, vor allem im Bereich der klimafreundlichen Energiewende-Geschäfte. Details nannte der Konzern nicht. Marktbeobachter bei RBC vermuten, dass die Solarsparte Lightsource BP sowie das Biogas-Geschäft Archaea auf dem Prüfstand stehen könnten – eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bislang nicht.
Hinzu kommen Abschreibungen auf Explorationsprojekte von etwa 500 Millionen Dollar, überwiegend im Zusammenhang mit dem Verkauf der Beteiligung am Bay-du-Nord-Projekt vor der kanadischen Küste. Die Fördermenge dürfte im zweiten Quartal zudem auf 2,17 bis 2,22 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag sinken, nach rund 2,34 Millionen im Vorquartal – ein Effekt, den die Krise in Nahost mit verursacht hat.
Schuldenabbau kommt voran
Bei der Bilanz zeigt sich BP dennoch auf Kurs. Die Nettoverschuldung sank zum Ende Juni auf 22 bis 23 Milliarden Dollar, nach 25,3 Milliarden Ende März. Der Konzern hält am Ziel fest, diesen Wert bis Ende 2027 auf 14 bis 18 Milliarden Dollar zu drücken.
Dazu zahlte BP 2,9 Milliarden Dollar zur Rückführung von Hybridanleihen im Volumen von 2,5 Milliarden Euro sowie 1,1 Milliarden Dollar zur Begleichung von Verpflichtungen aus der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Insgesamt soll die Kombination aus Nettoschulden, Hybridanleihen und Golf-von-Mexiko-Verbindlichkeiten um 6,3 bis 7,3 Milliarden Dollar gegenüber dem Vorquartal sinken. Die vollständigen Q2-Zahlen dürften zeigen, ob sich der Preisschub am Ende stärker auswirkt als die Abschreibungen im Klimageschäft.
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