Ein Ziel, das erst für Ende 2027 gedacht war, hat BP offenbar schon in diesem Herbst erreicht. Der Konzern rechnet zum Ende des dritten Quartals mit einer Nettoverschuldung zwischen 13,5 und 14,5 Milliarden Dollar. Im zweiten Quartal waren es noch 22,3 Milliarden Dollar.

Handel und Raffinerien spülen Geld in die Kasse

Ursprünglich hatte BP angepeilt, die Kennziffer bis Ende 2027 auf eine Spanne von 14 bis 18 Milliarden Dollar zu drücken. Nun liegt die erwartete Verschuldung sogar unter dem unteren Ende dieses Korridors. Vor allem der Energiehandel und das Raffineriegeschäft haben nach Unternehmensangaben viel Geld eingespielt. Hinzu kommen Verkäufe von Geschäftsteilen, die ebenfalls zum Abbau beitrugen.

Der Hintergrund: Der Iran-Krieg und ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien haben das Angebot an Öl und Kraftstoffen verknappt. Der Ölpreis liegt über 100 Dollar je Barrel, Kraftstoffe verteuerten sich noch stärker. Von solchen Engpässen und Preisschwankungen profitieren Ölkonzerne wie BP und Shell besonders.

O’Neills erste große Bühne

Für Konzernchefin Meg O’Neill kommt die Entwicklung zur rechten Zeit. Sie führt BP seit April und hat den Schuldenabbau zur Priorität erklärt. Nach ihren Worten ist BP im Branchenvergleich seit mehr als einem Jahrzehnt am stärksten verschuldet und muss das Kapital der Investoren besser nutzen. Parallel arbeitet sie daran, Portfolio und Konzernstruktur zu vereinfachen.

Die Aktie legte zum Handelsstart am Dienstag um rund 1,3 Prozent zu. Marktbeobachter dürften die Zahlen als Rückenwind für die Bilanz werten, auch wenn ein Teil der Entlastung auf den derzeit hohen Preisen beruht.

Am 15. Dezember will BP in New York die aktualisierte Strategie und den Ausblick vorstellen. Es ist das erste Mal, dass O’Neill Investoren ihre Pläne für den Konzern darlegen kann. Mit der deutlich entspannteren Bilanz im Rücken hat sie dafür mehr Spielraum als erwartet.