Ein schnellerer Schuldenabbau und Bewertungsvorteile gegenüber der US-Konkurrenz rücken die Papiere von BP verstärkt in den Fokus institutioneller Beobachter. Am Donnerstag stufte Wells Fargo den Energiekonzern von „Equal Weight“ auf „Overweight“ hoch und hob das Kursziel von 48 $ auf 57 $ an.
Analyst Sam Margolin begründete den Schritt mit der zügigen Verringerung der Verbindlichkeiten, Fortschritten bei der Erschließung von Ressourcen und einem attraktiven Bewertungsabstand zu US-Wettbewerbern.
Die Zuversicht zeigt sich auch an den Handelsplätzen. Zum Handelsschluss am Freitag notierte die Aktie bei 6,59 Euro. Seit Jahresbeginn verbucht das Papier einen Zuwachs von 34 Prozent und liegt damit 6,0 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 7,01 Euro.
Analysten loben Bilanzdisziplin und Upstream-Potenzial
Neben Wells Fargo sieht auch JPMorgan Potenzial für den Konzern. Die Bank stufte BP am 23. September von „Neutral“ auf „Overweight“ hoch und setzte das Kursziel von 550p auf 675p herauf. Als wesentliche Treiber nannte das Institut die Sanierung der Bilanz, strukturelle Vereinfachungen im Konzern sowie das Wachstumspotenzial im Upstream-Bereich. Medienberichten zufolge passten auch weitere Marktbeobachter ihre Bewertungen zuletzt nach oben an.
Parallel dazu stellt das Management die Weichen für künftige Transaktionen. Am Dienstag gab das Unternehmen bekannt, dass der frühere JPMorgan-Banker Ben Monaghan ab Anfang 2027 die Position des Senior Vice President für Fusionen, Übernahmen und Unternehmensentwicklung übernehmen wird, wie eine Unternehmenssprecherin gegenüber Reuters bestätigte.
Tarifgespräche in Whiting und juristischer Gegenwind
Im operativen Geschäft strebt der Konzern nach Planungssicherheit an wichtigen Produktionsstätten. Für die Beschäftigten der US-Raffinerie Whiting unterbreitete BP am Dienstag den Vorschlag für einen sechsjährigen Tarifvertrag, während die Verhandlungen mit der Gewerkschaft United Steelworkers Local 7-1 andauern.
Der Entwurf sieht eine verlängerte Ankündigungsfrist vor möglichen Streiks oder Aussperrungen vor. Die Lohnanpassungen für die letzten beiden Vertragsjahre sollen sich an künftigen nationalen Vereinbarungen der Branche orientieren.
Gleichzeitig sieht sich das Unternehmen mit Vorwürfen bezüglich seiner Umweltstandards konfrontiert. Die Kanzlei Hagens Berman EMEA teilte am Mittwoch mit, sie habe BP und weiteren Parteien ein förmliches vorgerichtliches Aufforderungsschreiben übermittelt.
Gegenstand sind beabsichtigte rechtliche Schritte wegen mutmaßlicher Umweltbelastungen durch das Abfackeln von Gas am irakischen Rumaila-Ölfeld nahe Basra. Dabei handelt es sich um die Ankündigung möglicher Schritte, nicht um ein anhängiges Klageverfahren.
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