BrainChip hat in den vergangenen Wochen kaum eine Gelegenheit ausgelassen, sich selbst zu feiern. Ein Award für die AkidaTag-Plattform, ein neues Software-Bundle für IBM Spectrum Symphony, ein Entwicklerboard mit Neuromorphyx, eine Kooperation mit Orama.AOI für industrielle Bildinspektion – die Nachrichtendichte ist beachtlich. Für mich zeigt sich darin jedoch weniger unternehmerische Stärke als vielmehr der Versuch, mit viel PR über eine dünne Umsatzbasis hinwegzutrösten.
Die Zahlen sprechen eine andere Sprache als die Pressemitteilungen
Zur Erinnerung: Vor rund zwei Wochen meldete BrainChip Halbjahreszahlen, die für sich genommen ernüchternd ausfielen. Der Umsatz kletterte zwar um 19 Prozent auf 1.222.745 US-Dollar, doch der Nettoverlust nach Steuern lag bei 12.015.897 US-Dollar. Die Betriebskosten legten um 33 Prozent auf 13.647.140 US-Dollar zu – schneller als der Umsatz wächst.
Für ein Unternehmen, das seit Jahren mit dem Versprechen neuromorpher Chips wirbt, ist das kein Fortschritt, sondern ein wachsendes Ungleichgewicht. Die Aktie reagierte damals mit einem Kursrutsch, seither hat sie sich moderat um 1,2 Prozent erholt.
Dass in demselben Zeitraum die erste Produktionscharge von 2.000 AKD1500-Prozessoren ausgeliefert wurde, ist immerhin ein reales operatives Signal – der Übergang von Vorserien- zu kommerzieller Fertigung ist ein Meilenstein, den man BrainChip nicht absprechen sollte. Nur bleibt die Frage, ob 2.000 Stück tatsächlich den Sprung in nennenswerte Umsätze bringen, oder ob es sich um ein weiteres symbolisches Etappenziel handelt.
Partnerschaften als Geschäftsmodell-Ersatz?
Die jüngsten Kooperationen mit Orama.AOI zur Bildverarbeitung an der Edge und mit Neuromorphyx zum BrainBoard1500 folgen einem erkennbaren Muster: BrainChip öffnet seine Akida-Architektur für möglichst viele Entwickler-Communities, verschenkt Software-Bundles auf GitHub und hofft, dass daraus irgendwann zahlende Kunden werden. Das ist strategisch nicht falsch – Ökosystem-Aufbau ist bei Halbleiter-IP durchaus üblich. Doch unterm Strich bleibt es eine Wette auf die Zukunft, während die Kasse jetzt schon spürbar schneller schrumpft, als neues Geld hereinkommt.
Auch der Global AI Award für AkidaTag ist ein netter Prestigegewinn, ändert aber nichts an der fundamentalen Schieflage zwischen Kosten und Erlösen. Solche Auszeichnungen eignen sich hervorragend für Pressemitteilungen, sie zahlen aber keine Rechnungen.
Der Kurs spiegelt die Skepsis
Der Markt scheint diese Zweifel zu teilen. Der Kurs notiert mit 0,0837 Euro rund 41 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 0,1430 Euro, das im Oktober erreicht wurde. Seit Jahresanfang steht ein Minus von 21 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es 24 Prozent.
Zwar liegt der Kurs mit einem Plus von 19 Prozent nur moderat über dem 52-Wochen-Tief, doch das wirkt eher wie eine technische Stabilisierung nahe der Unterkante als wie eine echte Trendwende. Der 200-Tage-Durchschnitt von 0,0939 Euro liegt weiterhin klar über dem aktuellen Niveau – ein Zeichen, dass der übergeordnete Abwärtstrend intakt bleibt.
Für mich überwiegen aktuell die Risiken. Die operativen Fortschritte – Serienfertigung, Awards, Partnerschaften – sind real, aber sie stehen in keinem Verhältnis zur Kostendynamik. Solange die Betriebsausgaben schneller wachsen als der Umsatz, bleibt jede Partnermeldung eher Ablenkung als Beleg für einen tragfähigen Turnaround.
Wer BrainChip aus Überzeugung an die Technologie hält, muss diese Diskrepanz aushalten können. Wer auf kurzfristige Kurstreiber hofft, dürfte von der PR-Dichte der vergangenen Wochen enttäuscht werden, sobald die nächsten Zahlen wieder die eigentliche Geschichte erzählen: die einer Firma, die technologisch überzeugt, kommerziell aber noch immer hinterherhinkt.
BrainChip-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue BrainChip-Analyse vom 29. August liefert die Antwort:
Die neusten BrainChip-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für BrainChip-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 29. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
BrainChip: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

