Während die Anleihegläubiger der Branicks Group erst vor wenigen Tagen der Verlängerung der 400-Millionen-Euro-Unternehmensanleihe zustimmten, zeigt sich bei näherem Hinsehen, dass die Sanierung des Immobilienkonzerns bereits deutlich früher auf ein zweites, ebenso wichtiges Standbein gestellt wurde: die Schuldscheindarlehen.
Wie die Kanzlei Dentons Anfang August berichtete, schlossen mehrere nationale und internationale Kreditinstitute als Gläubiger eine Lock-up-Vereinbarung zur Restrukturierung von Schuldscheindarlehen im Gesamtvolumen von 179,5 Millionen Euro ab.
Zwei Gläubigergruppen, ein Sanierungsplan
Die Vereinbarung mit den Schuldscheingläubigern reiht sich in ein Gesamtpaket ein, das Branicks bereits Ende Juli mit einer breiteren Gruppe von Bond- und Schuldscheingläubigern vereinbart hatte. Diese Lock-up-Vereinbarungen wurden Ende Juli wirksam und bilden nach Unternehmensangaben die Grundlage für die umfassende Restrukturierung der finanziellen Verbindlichkeiten.
Neben der Neuordnung der Schuldscheine floss auch eine kurzfristige Brückenfinanzierung über 35 Millionen Euro in das Konstrukt ein, die dem Unternehmen nach eigenen Angaben Zeit und Flexibilität für die weitere Sanierung verschaffen soll.
Dass beide Gläubigergruppen – sowohl die Halter der Anleihe als auch die Institute mit Schuldscheindarlehen – dem Konzept zugestimmt haben, unterscheidet den Fall von vielen anderen Restrukturierungen in der Immobilienbranche. Häufig scheitern solche Verfahren daran, dass einzelne Gläubigergruppen blockieren. Bei Branicks zogen offenbar sowohl institutionelle Kreditgeber als auch die breiter gestreute Anleihegläubigerschaft mit.
Anleihe erst der jüngste Baustein
Die vor wenigen Tagen bestätigte Verlängerung der Fälligkeit der 400-Millionen-Euro-Anleihe bis Ende des Jahres, mit einer Option bis Ende März 2027, fügt sich damit in eine bereits laufende Sanierungsarchitektur ein.
Die Gläubiger stimmten den Beschlüssen in einer Abstimmung ohne Versammlung mit der erforderlichen qualifizierten Mehrheit von mindestens 75 Prozent zu. Die MR Treuhand GmbH wurde als gemeinsamer Vertreter der Anleihegläubiger bestellt.
Für Anleger bedeutet die Kombination aus Schuldschein-Restrukturierung und Anleiheverlängerung, dass Branicks nun über einen breiter abgesicherten Zeitrahmen verfügt, um die finanziellen Verbindlichkeiten grundlegend neu zu ordnen. Die Brückenfinanzierung von 35 Millionen Euro soll dabei die Liquidität sichern, bis die umfassendere Neustrukturierung greift.
Aktie bleibt unter Druck
An der Börse hat die Nachrichtenlage der Aktie bislang nicht geholfen. Das Papier notiert aktuell bei 0,7880 Euro und damit nur wenige Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 0,7540 Euro, das erst kürzlich markiert wurde. Der Kurs verlor allein binnen 30 Tagen 28 Prozent an Wert. Die Marktreaktion zeigt: Die Einigung mit den Gläubigern verschafft Branicks operativen Spielraum, hat das Vertrauen der Anleger aber noch nicht zurückgewonnen.
Der Erfolg der Restrukturierung wird sich letztlich daran messen lassen, ob es dem Unternehmen gelingt, aus dem gewonnenen Zeitfenster eine tragfähige langfristige Finanzierungsstruktur zu entwickeln – über den März 2027 hinaus, wenn auch die verlängerte Anleihe endgültig fällig werden könnte.
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