Der Gewinn halbiert, die Aktie auf Talfahrt — bei Brenntag läuft gerade wenig rund. Mit 53,96 Euro notiert der Chemikalienhändler rund 9,5 Prozent unter dem Stand vor einem Monat und hat Mitte der Woche die 100-Tage-Linie nach unten durchbrochen.

Zahlen 2025 belasten das Sentiment

Die Kursschwäche hat fundamentale Gründe. Der Umsatz 2025 sank um 3,7 Prozent auf 15,2 Milliarden Euro. Das EBITDA fiel um 8,6 Prozent auf 1,288 Milliarden Euro. Am härtesten traf es den Gewinn nach Steuern: 265 Millionen Euro — ein Einbruch von gut 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Schwäche zog sich durch alle Regionen und Segmente. Kein Wunder, denn das Problem sitzt tief im Geschäftsmodell.

Normalisierung trifft Distributor besonders hart

Brenntag hatte jahrelang von gestörten Lieferketten und hohen Chemiepreisen profitiert. Jetzt kehrt der Markt zur Normalität zurück — und das schneller als erwartet. Industriekunden in Europa und Nordamerika fahren ihre Lager schlank. Das drückt die Volumina im Distributionsgeschäft. Preisanpassungen werden schwieriger, weil Rohstoffpreise fallen und der Wettbewerb zunimmt.

Das Distributionsmodell funktioniert am besten in einem Umfeld mit Preisspielraum und Nachfragedruck. Beides fehlt gerade.

Prognose 2026 steht — Halbjahresbericht im August

Mit den Q1-Zahlen Anfang Mai hat das Management die Jahresprognose bestätigt. Für 2026 peilt Brenntag ein operatives EBITDA zwischen 1,15 und 1,35 Milliarden Euro an. Das Transformationsprogramm laufe planmäßig, hieß es in der Mitteilung vom 7. Mai 2026.

Das Analystenbild ist wenig ermutigend: Von 22 Analysten empfehlen 42 Prozent den Verkauf, weitere 42 Prozent votieren für Halten. Nur 15 Prozent sehen Kaufpotenzial.

Die Dividende bleibt ein Gegengewicht. Vorstand und Aufsichtsrat schlugen vor, den gesamten Bilanzgewinn von 274,3 Millionen Euro auszuschütten — 1,90 Euro je Aktie. Die Dividendenrendite liegt bei 3,51 Prozent; der Ex-Dividenden-Tag war der 21. Mai 2026.

Spezialchemie als Ausweg

Strukturell verfolgt Brenntag den Umbau vom Volumendistributor zum Spezialchemie-Anbieter. Spezialchemikalien und formulierte Lösungen bringen höhere und stabilere Margen. Der Kapitalmarkt bewertet solche Geschäftsmodelle mit höheren Multiples.

Der RSI liegt aktuell bei 33 — technisch nähert sich die Aktie überverkauftem Terrain. Ob das reicht, um eine Gegenbewegung auszulösen, hängt maßgeblich vom Halbjahresbericht ab. Der erscheint am 12. August 2026 und wird zeigen, ob der Transformationskurs im schwierigen Marktumfeld tatsächlich Früchte trägt.