Der Jahresstart 2026 verläuft für die Chemie-Distributoren alles andere als ruhig. Während der Gesamtmarkt nach Orientierung sucht, kristallisiert sich bei den beiden Branchengrößen ein spannendes Duell zweier völlig unterschiedlicher Philosophien heraus. Auf der einen Seite steht Brenntag: Der deutsche Riese kämpft mit einem radikalen Umbau und setzt auf die „harte Tour“ der Kostensenkung. Auf der anderen Seite IMCD: Der niederländische Herausforderer versucht, sich trotz Gegenwind durch Zukäufe Wachstum zu erkaufen.
Heute, am 9. Januar 2026, notiert Brenntag bei 48,14 Euro und testet damit erneut die Tiefststände der letzten 52 Wochen. IMCD hält sich bei 77,82 Euro wackerer, musste aber auf Jahressicht ebenfalls Federn lassen. Doch hinter den Kurszetteln verbirgt sich eine fundamentale Frage für Anleger: Ist die günstige Bewertung von Brenntag ein Schnäppchen oder eine Falle? Und kann IMCD seinen Premium-Aufschlag in diesem Umfeld noch rechtfertigen?
Wer hat die bessere Strategie im Köcher?
Im Ring stehen sich zwei Schwergewichte mit gegensätzlichen Taktiken gegenüber. Brenntag fährt als Hybrid-Modell zweigleisig: Das hochvolumige Industriegeschäft („Essentials“) liefert den Cashflow, während die Spezialchemie („Specialties“) für die Margen sorgen soll. Doch die schiere Größe mit über 16 Milliarden Euro Umsatz wirkt aktuell träge. Die Antwort des Managements ist klar: Eiserne Disziplin. Das Sparprogramm „Horizon 2“ soll Ineffizienzen ausmerzen.
IMCD hingegen gilt traditionell als der spritzigere „Pure Play“-Spezialist. Das Geschäftsmodell ist asset-light, man besitzt kaum Lagerhallen, sondern technische Labore. Das Versprechen: Hohe Margen durch Beratung. Doch dieses Bild bekommt Risse. Die Bruttomarge von IMCD lag im dritten Quartal 2025 bei 25,2 Prozent – und damit kaum noch über dem Niveau von Brenntag (24,9 Prozent). Der einstige Burggraben der Niederländer scheint flacher zu werden, während Brenntag durch Effizienz aufholt.
Zahlen-Check: Wo lockt mehr Rendite?
Ein Blick auf die nackten Zahlen offenbart eine massive Bewertungsschere. Der Markt preist bei Brenntag quasi den Stillstand ein, während er bei IMCD immer noch auf eine schnelle Rückkehr zu alten Wachstumsraten wettet.
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| Kennzahl | Brenntag (BNR) | Imcd (IMCD) |
|---|---|---|
| Kurs (09.01.2026) | 48,14 € | 77,82 € |
| KGV (TTM) | 13,2x | 16,9x |
| EV/EBITDA | 7,6x | 11,2x |
| Verschuldung (Net Debt/EBITDA) | 1,9x | 2,6x |
| Dividendenrendite | 4,26 % | 2,72 % |
| Free Cashflow Rendite | ~8,5 % | ~5,2 % |
Das Zwischenfazit: Punkt für Brenntag. Mit einem EV/EBITDA von 7,6 ist die Aktie rund 32 Prozent günstiger bewertet als der Konkurrent. Auch Einkommensinvestoren werden hellhörig: Satte 4,26 Prozent Dividendenrendite stechen die 2,72 Prozent von IMCD klar aus. Zudem wirkt die Bilanz der Deutschen in Zeiten hoher Zinsen wetterfester: Ein Verschuldungsgrad von 1,9x ist solide, während IMCD durch die jüngste Einkaufstour auf 2,6x geklettert ist.
Kampf gegen den Abwärtstrend: Wer ist fitter?
Doch günstig allein reicht nicht – der Markt will Trigger sehen. Wie sieht die aktuelle Formkurve aus?
Brenntag setzt den Rotstift an
Das Unternehmen liefert beim Sparen. Allein im dritten Quartal 2025 wurden 45 Millionen Euro an Kosten herausgeschnitten. Das Ziel von 300 Millionen Euro bis 2027 scheint greifbar und zieht einen Sicherheitsboden unter den Gewinn je Aktie. Zudem wurde die Führungsriege radikal verkleinert: Seit Dezember lenken nur noch CEO und CFO das Schiff. Das soll Entscheidungen beschleunigen – eine langjährige Forderung aktivistischer Investoren, die nun endlich Früchte tragen könnte.
IMCD kauft sich Umsatz
Die Niederländer versuchen, der organischen Flaute davonzulaufen. Sechs Übernahmen im Jahr 2025 brachten zwar 340 Millionen Euro zusätzlichen Umsatz, doch organisch fiel das EBITA zuletzt um 11 Prozent. Das ist ein Warnsignal. Die Wette des Managements: Eine Erholung im Life-Sciences-Bereich ab dem ersten Quartal 2026. Tritt diese nicht ein, steht die hohe Bewertung auf wackeligen Beinen.
Risiko-Check: Wo lauern die Gefahren?
Kein Investment ohne Risiko. Bei Brenntag liegt das Problem im fehlenden organischen Wachstum. Der Umsatzrückgang von 9 Prozent im letzten Quartal zeigt, dass man sich derzeit fast ausschließlich auf Kostensenkungen verlässt („Self-Help“). Gelingt die Trendwende im operativen Geschäft nicht, könnte die Aktie zur „Value Trap“ werden.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Brenntag?
Bei IMCD drückt der Schuh an der Bilanz. Die Verschuldung ist durch die Zukäufe gestiegen, während der operative Gewinn stagniert. Das lässt wenig Spielraum für Fehler. Sollte die für Anfang 2026 erhoffte Markterholung ausbleiben, droht hier eine schmerzhafte Anpassung der Bewertungsmultiples nach unten.
Fazit: Sicherheit schlägt Hoffnung
In diesem deutsch-niederländischen Duell gibt es einen Punktsieger nach Punkten, wenn man das aktuelle Marktumfeld betrachtet.
Brenntag präsentiert sich als die robustere Wahl für 2026. Der Markt ignoriert derzeit weitgehend die strukturellen Verbesserungen durch das Sparprogramm. Die Kombination aus hoher Dividende, niedriger Verschuldung und einer Bewertung, die kaum noch Enttäuschungspotenzial bietet, schafft ein asymmetrisches Chance-Risiko-Verhältnis. Es ist keine glamouröse Wachstumsstory, aber eine solide Substanz-Wette.
IMCD bleibt das qualitativ hochwertigere Unternehmen, muss aber erst beweisen, dass es den Bewertungsaufschlag noch verdient. Der Hebel in der Bilanz und die Abhängigkeit von einer baldigen Konjunkturerholung machen die Aktie derzeit anfälliger. Wer hier einsteigt, wettet auf den Prinzip Hoffnung.
Für konservative Anleger, die ruhig schlafen wollen, hat Brenntag aktuell die Nase vorn. IMCD bleibt auf der Beobachtungsliste, bis die organische Wachstumsmaschine wieder anspringt.
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