Broadcom hat mit dem jüngsten Quartalsbericht die Erwartungen übertroffen – und wird dennoch von mehreren Analysehäusern zurückgestuft. Der Grund liegt weniger im operativen Geschäft als in der Bewertung der Aktie, die nach dem starken Lauf der vergangenen Jahre inzwischen kritisch beäugt wird.
Herabstufungen trotz starker Zahlen
Wall Street Zen senkte seine Einstufung für Broadcom am 18. Juli von „Strong-Buy“ auf „Buy“. Zuvor hatte bereits Erste Group das Papier auf „Hold“ zurückgenommen und dabei ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 65 als zu ambitioniert bezeichnet. Beide Herabstufungen fallen in eine Phase, in der Broadcom eigentlich mit Zahlen aufwarten konnte, die über den Erwartungen lagen: Der Gewinn je Aktie kam auf 2,44 Dollar gegenüber prognostizierten 2,40 Dollar, der Umsatz stieg um 47,9 Prozent auf 22,19 Milliarden Dollar. Besonders das KI-Geschäft trieb das Wachstum: Die entsprechenden Erlöse kletterten im zweiten Quartal um 143 Prozent auf 10,8 Milliarden Dollar. Für das dritte Quartal stellte Broadcom bereits einen Anstieg auf 16 Milliarden Dollar in Aussicht, ein Plus von rund 200 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Kursziele bleiben trotz Skepsis hoch
Nicht alle Analysten teilen die Vorsicht von Erste Group. Citi bekräftigte seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 500 Dollar, Bank of America hob ihr Ziel sogar auf 530 Dollar an und begründete dies mit einem erwarteten Anstieg der KI-Umsätze um 180 Prozent im Geschäftsjahr 2026 und weiteren 100 Prozent im Jahr 2027. JPMorgan bleibt mit „Overweight“ und einem Kursziel von 580 Dollar am optimistischsten. Auch Morgan Stanley bezeichnete Broadcom weiterhin als einen der zentralen Gewinner des KI-Aufbaus. Der Analystenkonsens liegt derzeit bei „Moderate Buy“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 493,24 Dollar – die Meinungen zwischen Wachstumsstory und Bewertungsrisiko klaffen damit deutlich auseinander.
Insider verkaufen, institutionelle Anleger bauen aus
Während die Analystenlager uneins sind, zeigt sich auch bei den Unternehmensinsidern kein einheitliches Bild. Chief Legal Officer Brazeal veräußerte Aktien im Wert von 19,5 Millionen Dollar, weitere Insiderverkäufe summierten sich zuletzt auf 61.644 Aktien innerhalb von drei Monaten. Einzelne Personalbewegungen fielen kleiner aus: Director Justine Page verkaufte am 29. Juni 1.602 Aktien zu je 373,86 Dollar, während Director Harry L. You am 11. Juni 1.000 Aktien zu 373,57 Dollar zukaufte. Der Vermögensverwalter Adell Harriman & Carpenter reduzierte seinen Bestand im ersten Quartal um 2,0 Prozent auf 440.110 Aktien im Wert von 136,2 Millionen Dollar. Gegenläufig bewegte sich die schwedische AMF Tjanstepension, die ihre Position im selben Zeitraum um 1,4 Prozent auf 827.049 Aktien im Wert von rund 256 Millionen Dollar aufstockte.
Branchenweiter Ausverkauf setzt den Kurs unter Druck
Die Unsicherheit um Broadcom fällt zeitlich mit einem branchenweiten Rückschlag im Halbleitersektor zusammen. Der Philadelphia Semiconductor Index rutschte binnen weniger Wochen in einen technischen Bärenmarkt und büßte gegenüber seinem Rekordhoch vom 22. Juni deutlich ein. Zusätzlich befeuerte die Veröffentlichung des chinesischen KI-Modells Kimi K3 des Anbieters Moonshot die Sorge, dass günstigere asiatische Konkurrenz das Wachstumstempo der US-amerikanischen KI-Infrastrukturanbieter bremsen könnte. Broadcom gehörte zu den Werten, die im Zuge dieser Entwicklung unter Druck gerieten.
Am deutschen Markt spiegelt sich diese Nervosität im Kursverlauf: Zum Schluss des vergangenen Freitags stand die Broadcom-Aktie bei 325,05 Euro, nach einem Rückgang von 7,21 Prozent innerhalb von sieben Tagen. Vom bisherigen 52-Wochen-Hoch trennt das Papier damit ein Abstand von 24,34 Prozent. Die Diskrepanz zwischen robusten Geschäftszahlen und der Kursentwicklung dürfte in den kommenden Wochen bestimmend bleiben, zumal weitere Technologiekonzerne wie Alphabet, Microsoft, Amazon und Meta ihre Quartalsberichte noch vorlegen müssen und damit weitere Signale für die gesamte KI-Branche liefern.
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