Rekordeinnahmen, ein milliardenschweres Infrastrukturprojekt — und trotzdem fällt die Aktie. Bei Broadcom klaffen Zahlen und Marktreaktion gerade weit auseinander.
Wenn 48 Prozent Wachstum enttäuscht
Broadcoms Quartalszahlen für das zweite Fiskalquartal 2026 sind objektiv stark. Der Umsatz kletterte um 48 Prozent auf 22,19 Milliarden Dollar. Das übertraf die Konsensschätzungen. Der Treiber: KI-Hardware. CEO Hock Tan sprach von einer „unersättlichen“ Nachfrage. Der Umsatz mit KI-Chips erreichte 10,8 Milliarden Dollar — ein Plus von 143 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Trotzdem verlor die Aktie am Freitag 2,46 Prozent auf 352,30 Euro. Auf Sieben-Tage-Sicht summiert sich der Rückgang auf über 8 Prozent.
Das Muster ist bekannt: Bei hochbewerteten KI-Titeln reicht es nicht, gut zu sein. Man muss besser sein als die stillschweigenden Erwartungen des Marktes. Broadcom prognostiziert für das dritte Quartal KI-Umsätze von 16 Milliarden Dollar — ein sequenzieller Sprung von fast 50 Prozent. Einige Analysten hatten dennoch auf eine aggressivere Anhebung des langfristigen Ziels gehofft. Das 2027er-Ziel von 100 Milliarden Dollar KI-Umsatz bleibt unverändert.
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Margen sinken — aber nicht aus Schwäche
Ein konkreter Belastungsfaktor: Die Bruttomargen sinken. Im dritten Quartal erwartet das Management einen Rückgang von rund 77 auf etwa 74 Prozent — gemessen auf Non-GAAP-Basis.
Der Grund liegt im Produktmix. Broadcom liefert zunehmend kundenspezifische KI-Beschleuniger und Netzwerkkomponenten an Hyperscaler wie Google und Meta. Diese Produkte laufen in hohen Stückzahlen, tragen aber geringere Margen als die klassische Infrastruktursoftware. Das Management betont: Auf Ebene der operativen Marge sind diese Projekte durch gemeinsame Investitionsmodelle mit den Kunden profitabel. Die Bruttomarge-Delle ist also kein Warnsignal — sie ist das Ergebnis von Wachstum.
35-Milliarden-Pakt mit Apollo und Blackstone
Parallel zur Quartalspräsentation kündigte Broadcom eine strategische Partnerschaft mit den Investmentfirmen Apollo und Blackstone an. Die sogenannte „AI XPV Platform“ soll bis 2028 mehr als 20 Gigawatt Rechenkapazität bereitstellen. Apollo startet die erste Tranche mit einem Volumen von 35 Milliarden Dollar.
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Das Ziel: Tier-2-Cloudanbieter und große Unternehmen sollen Broadcoms KI-Chips in großem Maßstab einsetzen können — finanziert und infrastrukturell abgesichert durch die Partnerschaft. Für Broadcom bedeutet das mehr Planbarkeit bei künftigen Umsätzen.
Für das Gesamtjahr 2026 hält der Konzern an einem KI-Umsatzziel von rund 56 Milliarden Dollar fest. Der freie Cashflow erreichte im zweiten Quartal mit 10,3 Milliarden Dollar einen Rekordwert. Die Quartalsdividende beträgt 0,65 Dollar je Aktie, zahlbar am 30. Juni 2026.
Technisch liegt die Aktie noch 3,26 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 341,18 Euro. Der RSI von 45,6 zeigt: Der überkaufte Bereich ist verlassen. Vom 52-Wochen-Hoch bei 429,60 Euro trennen den Kurs knapp 18 Prozent.
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