Broadcom liefert weiterhin starke KI-Zahlen — und bekommt trotzdem eine Abstufung. Erste-Group-Analyst Hans Engel hat die Aktie von Buy auf Hold zurückgestuft. Sein Hauptkritikpunkt: das Softwaregeschäft.

Software bremst, KI glänzt

Engel sieht das Softwaresegment langfristig unter Druck. Er erwartet dort ein deutlich unterdurchschnittliches Wachstum und warnt, dass die notwendige Goodwill-Abschreibung das Gewinnwachstum bremsen werde. Hinzu kommen steigende Kosten und begrenzteres Aufwärtspotenzial nach den jüngsten Kursgewinnen.

Das steht in einem gewissen Widerspruch zu den operativen Zahlen. Im abgelaufenen Quartal übertraf Broadcom die Erwartungen auf breiter Front: Der Umsatz lag bei 19,31 Milliarden Dollar, der bereinigte Gewinn je Aktie bei 2,05 Dollar. Besonders das KI-Geschäft stach hervor — der KI-Umsatz verdoppelte sich im Jahresvergleich auf 8,4 Milliarden Dollar. Für das zweite Quartal stellt das Unternehmen 22 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht, deutlich über den Analystenerwartungen von 20,56 Milliarden Dollar.

China-Risiko bleibt im Blick

Neben der Abstufung lastet der Handelskonflikt zwischen den USA und China auf der Stimmung. Broadcom erzielte 2024 rund 10,5 Milliarden Dollar seines Umsatzes in China — mehr als 20 Prozent der Gesamterlöse. Halbleiter sind derzeit zwar von den US-Zöllen ausgenommen, allerdings hat Präsident Trump angekündigt, dass Zölle auf Chips „sehr bald“ kommen könnten.

Selbst ohne direkte Zölle auf Chips bleibt das indirekte Risiko erheblich: Endprodukte, die Broadcom-Chips enthalten und in den USA verkauft werden, sind bereits mit Zöllen belegt. Da der Großteil der Chipfertigung in Asien stattfindet, steigen die Kosten für Endgeräte — was die Nachfrage dämpfen und letztlich auf Broadcoms Absatz durchschlagen könnte. China hat seinerseits zwei Untersuchungen zu US-Handelspraktiken eingeleitet, darunter eine zu Exportbeschränkungen bei Hochtechnologie.

Jahreshauptversammlung am 20. April

Am 20. April findet in Palo Alto die Jahreshauptversammlung statt, auf der Aktionäre über Vorstandswahlen und die Bestätigung des Abschlussprüfers abstimmen. Trotz der Abstufung durch Erste Group bleibt der Wall-Street-Konsens für Broadcom bei „Strong Buy“ — mit einem impliziten Aufwärtspotenzial von rund 55 Prozent gegenüber dem aktuellen Kursniveau.