Broadcom hat seine langjährige Chip-Lieferpartnerschaft mit Apple bis 2031 verlängert. Der Vertrag hat laut Unternehmensangaben ein Volumen von mehr als 30 Milliarden Dollar und sichert dem Halbleiterkonzern über das Ende des Jahrzehnts hinaus einen zentralen Kunden im Smartphone-Geschäft. Die Nachricht vom Freitag reiht sich in eine Woche voller Schlagzeilen zum Unternehmen ein, konnte den Kurs bislang aber nicht stabilisieren.
Ein Lichtblick in turbulenten Tagen
Für Broadcom war es zuletzt ein wechselhafter Handelsmonat. Die Aktie büßte binnen sieben Tagen 7,0 Prozent ein, nachdem eine Kreditrating-Herabstufung und Sorgen um die Google-Beziehung die Stimmung belastet hatten. Der Apple-Deal liefert nun einen selteneren, planbaren Vertrauensanker: Ein Abnehmer mit hoher Kaufkraft bindet sich für mehrere weitere Jahre an Broadcoms Chip-Fertigung, unabhängig von den Schwankungen im KI-Geschäft.
Parallel dazu bleibt der Konzern im Zentrum der größten KI-Finanzierungsdebatte der Branche. Broadcom verhandelt Medienberichten zufolge mit einer Gruppe privater Kreditgeber, darunter Blackstone und Apollo Global Management, über eine Fremdfinanzierung von 70 bis 80 Milliarden Dollar für ein Chip-Finanzierungsmodell zugunsten von KI-Firmen wie Anthropic.
Das Gesamtvolumen der Vereinbarung könnte sich demnach auf bis zu 100 Milliarden Dollar belaufen. Anleger reagieren auf diese Größenordnung gespalten: Sie unterstreicht die Nachfrage nach Broadcoms Custom-Chips, wirft aber zugleich Fragen zur Bilanzbelastung auf.
Rückschläge bei Google und in Brüssel
Erst am Mittwoch vergangener Woche war die Aktie um rund 5 Prozent gefallen, nachdem Marvell Technology in einer Pflichtmitteilung einen eigenen Custom-Chip-Deal mit Google offengelegt hatte.
Die Sorge, Broadcom könnte seine Rolle als bevorzugter TPU-Co-Designer von Google verlieren, drückte kurzzeitig auf den Kurs. Analysten wiesen diese Befürchtung anschließend weitgehend zurück und verwiesen auf anhaltend starke kurzfristige Nachfrage nach Googles TPUs, an denen Broadcom maßgeblich beteiligt bleibt.
Zusätzlichen Gegenwind brachte ein juristischer Rückschlag: Broadcom verlor einen Antrag vor der Europäischen Union, mit dem der Konzern eine Auskunftsanfrage der Kartellbehörden im Zusammenhang mit der VMware-Übernahme aussetzen lassen wollte. Das Verfahren bleibt damit ein Unsicherheitsfaktor, auch wenn es die operative Geschäftsentwicklung bislang nicht beeinträchtigt.
Auch bei den Investoren gab es Bewegung: Dan Loebs Hedgefonds Third Point hat seine gesamte Position von 50.000 Broadcom-Aktien im zweiten Quartal 2026 aufgelöst, wie aus einer Offenlegung hervorgeht.
Analysten bleiben mehrheitlich zuversichtlich
Trotz der Unsicherheiten äußern sich Analysten überwiegend optimistisch. Mizuho-Analyst Vijay Rakesh bekräftigt eine „Outperform“-Einstufung mit einem Kursziel von 530 US-Dollar und verweist auf Broadcoms Führungsrolle bei Custom-ASICs, SerDes-Technologie und fortschrittlicher Chip-Verpackung für Googles TPU-Einsätze.
BMO Capital Markets startete die Coverage mit „Outperform“ und einem Kursziel von 455 US-Dollar und hob Broadcoms Position als führender US-Anbieter im Bereich KI-Computing und Netzwerktechnik hervor.
Die Aktie notierte am Freitag bei 315,45 Euro, ein Plus von 1,1 Prozent auf Tagesbasis, liegt damit aber weiterhin knapp 1,0 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt.
Anleger richten den Blick nun auf den 2. September, wenn Broadcom die Zahlen zum dritten Fiskalquartal 2026 vorlegt. Das Management hatte zuvor einen Umsatz von rund 29,4 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt, ein Plus von 84 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
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