Broadcom liefert Rekordzahlen, der Kurs fällt trotzdem. Der Halbleiterkonzern wächst im KI-Geschäft rasant, trifft aber nicht den überhitzten Erwartungswert der Börse. Genau dort liegt der Konflikt: Die operative Dynamik ist stark, die Messlatte noch höher.
Rekordquartal mit Schönheitsfehler
Im abgelaufenen Quartal stieg der Umsatz auf 22,2 Mrd. Dollar, ein Plus von 48 Prozent. Der GAAP-Nettogewinn lag bei 9,3 Mrd. Dollar.
Die Profitabilität bleibt beeindruckend. Broadcom verdient nicht nur mehr, sondern wandelt einen großen Teil des Geschäfts in Barmittel um.
Der Non-GAAP-Gewinn je Aktie erreichte 2,44 Dollar. Das bereinigte EBITDA lag bei 15,2 Mrd. Dollar und entsprach 69 Prozent des Umsatzes. Der freie Cashflow kam auf 10,3 Mrd. Dollar und erreichte 46 Prozent des Umsatzes.
Der KI-Chipumsatz erreichte 10,8 Mrd. Dollar und wuchs um 143 Prozent. Für das laufende Quartal stellt CEO Hock Tan einen Anstieg auf 16,0 Mrd. Dollar in Aussicht.
Genau hier hakte der Markt ein. Die Prognose lag unter der Erwartung von 17,2 Mrd. Dollar. Eine Anhebung der Jahresziele blieb aus.
Tan bekräftigte nur, dass KI-Halbleiter im Geschäftsjahr 2027 mehr als 100 Mrd. Dollar erlösen sollen. Das ist stark. Für eine Aktie mit hoher Erwartung reicht es aber nicht immer.
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Strategiewechsel im KI-Geschäft
Neben den Zahlen änderte Broadcom eine wichtige Linie im KI-Geschäft. Der Konzern will künftig „nur Chips“ liefern, statt komplette integrierte KI-Systeme bereitzustellen.
Das ist mehr als ein Detail. Broadcom schärft damit die Rolle als Anbieter von Spezialchips und Netzwerktechnik für große KI-Kunden.
Der Konzern zählt nun sechs zentrale Kunden für maßgeschneiderte Chips. Dazu gehören Anthropic, Google, Meta und OpenAI.
Für Anthropic stellt Broadcom TPU-basierte Rechenleistung von mehr als 1 Gigawatt im Jahr 2026 bereit. Ein weiterer Vertrag öffnet den Zugang zu 5 Gigawatt der nächsten TPU-Generation ab 2027.
Für OpenAI wurde bereits Silizium geliefert. Die Produktion soll Ende 2026 anlaufen.
Ausblick schlägt Konsens
Beim Gesamtumsatz bleibt Broadcom offensiv. Für das laufende Quartal erwartet der Konzern 29,4 Mrd. Dollar Umsatz. Der Konsens lag bei 28,61 Mrd. Dollar, das Wachstum soll 84 Prozent erreichen.
Die operative Marge auf Non-GAAP-Basis soll 67 Prozent erreichen. Das bereinigte EBITDA sieht Broadcom bei 68 Prozent des Umsatzes.
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Die Quartalsdividende liegt bei 0,65 Dollar je Aktie. Parallel läuft ein Wechsel an der Finanzspitze.
Amie Thuener übernimmt am 12. Juni 2026 den CFO-Posten. Kirsten M. Spears geht in den Ruhestand und bleibt für neun Monate beratend an Bord.
Thuener kommt von Alphabet. Dort war sie seit 2018 als Vice President, Corporate Controller und Chief Accounting Officer tätig.
Analysten sehen Kursdelle als Chance
Mehrere Analysten reagierten nach dem Rücksetzer konstruktiv. Mizuho-Analyst Vijay Rakesh hob das Kursziel am 4. Juni von 480 auf 530 Dollar an.
Er verwies auf die jüngste Kursschwäche und die Fortschritte der XPU-Roadmap. Sein Rating bleibt bei „Outperform“.
Jefferies setzte das Kursziel auf 550 Dollar. Die jüngsten Einschätzungen von Jefferies, DA Davidson und TD Cowen kommen im Schnitt auf 483,33 Dollar.
Broadcom hat inzwischen vier Quartale in Folge die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn je Aktie übertroffen. Das erklärt, warum die Analystenseite den Rückgang eher als Neubewertung denn als Bruch der Story liest.
Am Donnerstag schloss die Aktie bei 360,60 Euro und verlor auf Wochensicht 6,03 Prozent. Seit Jahresanfang bleibt ein Plus von 21,56 Prozent.
Der nächste Prüfstein ist die KI-Chipprognose von 16,0 Mrd. Dollar für das laufende Quartal. Übertrifft Broadcom diese Marke, könnten die neuen Kursziele mehr Gewicht bekommen. Verfehlt der Konzern sie, rückt der Strategiewechsel zu reinen Chips schneller in den Mittelpunkt.
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