Broadcom kämpft sich am Donnerstag mit einem vorbörslichen Plus von 1,5 Prozent auf 315,05 Euro leicht zurück, nachdem die Aktie binnen einer Woche 13 Prozent verloren hat. Auslöser war die Ankündigung von Marvell Technology, gemeinsam mit Google eine große kommerzielle Vereinbarung zur Entwicklung kundenspezifischer KI-Chips (TPUs) geschlossen zu haben.
Google erhält dabei einen Optionsschein über 12,18 Milliarden Dollar – ein Deal, der laut Reuters Broadcoms bisherige Exklusivität als wichtigster Partner für kundenspezifische Chipentwicklung bei Google infrage stellt.
Analysten ziehen unterschiedliche Schlüsse
Die Reaktionen der Analysten fallen gespalten aus. Macquarie stufte Broadcom am Mittwoch von „Outperform“ auf „Neutral“ zurück und reagierte damit direkt auf die Marvell-Google-Nachricht.
Jefferies sieht die Lage dagegen gelassener: Das Haus erhöhte sein Kursziel von 545 auf 550 Dollar, bestätigte die Kaufempfehlung und bezeichnete den jüngsten Kursrutsch als „Catalyst Gap“ statt als Beleg für nachlassende KI-Nachfrage.
Auch Goldman Sachs hatte bereits am Dienstag mit einem Kursziel von 525 Dollar und einer Kaufempfehlung reagiert und die Sorgen um ASIC-Konkurrenz durch MediaTek und AMD als übertrieben bezeichnet – aus Sicht der Analysten eher eine Kaufgelegenheit als ein Warnsignal.
Die Kursbewegung der vergangenen Woche zeigt, wie nervös der Markt auf die neue Wettbewerbssituation reagiert. Mit einem Abstand von 27 Prozent zum 52-Wochen-Hoch von 429,60 Euro, das erst im Juni erreicht wurde, hat die Aktie deutlich an Boden verloren.
Der Kurs notiert derzeit auch unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 339,30 Euro, ein Zeichen für den kurzfristigen Abwärtsdruck. Der RSI von 36,4 deutet zudem auf eine bereits fortgeschrittene Verkaufsdynamik hin, die im Bereich einer möglichen Überverkauft-Situation liegt.
Zusätzlicher Gegenwind bei Finanzierung und Sicherheit
Neben der Konkurrenzsorge belasten weitere Themen das Sentiment. Bank of America hatte bereits am 14. August über den Analysten Tom Curcuruto Broadcoms Emittenten- und Anleiheratings herabgestuft und dabei auf Risiken aus der außerbilanziellen Finanzierung der „AI XPV“-Plattform verwiesen. Diese mit Apollo Global Management und Blackstone aufgesetzte, 35 Milliarden Dollar schwere Struktur soll KI-Infrastruktur für Kunden wie Anthropic finanzieren.
Zusätzlich berichteten Sicherheitsforscher Anfang August über eine aktiv ausgenutzte kritische Sicherheitslücke in der VMware-vCenter-Software, obwohl bereits Ende Juli Patches veröffentlicht worden waren.
Nicht jede Nachricht der vergangenen Wochen war negativ: Broadcom hatte im Juni gemeinsam mit OpenAI einen speziell für das Training und die Inferenz großer Sprachmodelle optimierten Prozessor vorgestellt. Zudem bereitet das Unternehmen die Konferenz „VMware Explore 2026“ vor, die vom 31. August bis 3. September in Las Vegas stattfindet und sich auf VMware Cloud Foundation sowie private KI-Cloud-Innovationen konzentriert.
Quartalszahlen als nächster Test
Die entscheidende Bewährungsprobe steht am 2. September an, wenn Broadcom nach Börsenschluss die Zahlen zum dritten Fiskalquartal 2026 vorlegt. Das Management hatte zuletzt einen Umsatz von rund 29,4 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt, ein Plus von 84 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sowie einen KI-Halbleiterumsatz von etwa 16 Milliarden Dollar.
Ob diese Prognose trotz der neuen Konkurrenzsituation bei Google Bestand hat, dürfte maßgeblich darüber entscheiden, ob sich die Aktie von der jüngsten Schwäche erholt oder der Wettbewerbsdruck die Wachstumsstory nachhaltig eintrübt.
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