Broadcom hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 Rekordergebnisse geliefert — und zeigt diese Woche auf der Optical Fiber Communications Conference in Los Angeles, dass die Produktpipeline mit den Finanzzahlen Schritt hält. Der Netzwerk-Chip-Spezialist bringt mit dem Tomahawk 6 einen neuen Switch in die Serienproduktion und präsentiert zugleich ein erweitertes Portfolio für KI-Rechenzentren im Gigawatt-Maßstab.

Tomahawk 6: Vom Prototyp zur Serienreife

Am 12. März 2026 gab Broadcom bekannt, dass der Tomahawk 6 nun in Produktionsvolumen ausgeliefert wird — weniger als drei Quartale nach dem ersten Sampling. Der Switch verdoppelt den Durchsatz gegenüber seinem Vorgänger Tomahawk 5 und unterstützt auf einem einzigen Chip bis zu 1.024 SerDes-Verbindungen mit 100G. Er ist sowohl für Scale-out- als auch Scale-up-Architekturen ausgelegt und adressiert damit die zwei zentralen Anforderungen moderner KI-Trainings- und Inferenz-Workloads.

Auf der OFC 2026 ergänzt Broadcom diesen Launch durch weitere Neuheiten: darunter Taurus, den nach eigenen Angaben ersten optischen DSP der Branche mit 400G pro Lane, sowie die 3.5D-XDSiP-Plattform — ein modulares XPU-System in 2nm-Fertigung, das 2.5D- und 3D-IC-Integrationstechniken kombiniert.

Rekordzahlen und ein klares Wachstumsziel

Die Produktoffensive fußt auf soliden Finanzen. Im ersten Quartal erzielte Broadcom einen Umsatz von 19,3 Milliarden US-Dollar — ein Plus von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte EBITDA stieg um 30 Prozent auf 13,1 Milliarden Dollar, was einer Marge von 68 Prozent entspricht. Besonders auffällig: Der KI-Umsatz verdoppelte sich mehr als — er wuchs um 106 Prozent auf 8,4 Milliarden Dollar, getrieben von Custom-AI-Acceleratoren und KI-Netzwerklösungen.

Für das zweite Quartal erwartet CEO Hock Tan einen Umsatz von rund 22 Milliarden Dollar, was einem Wachstum von 47 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspräche. Der KI-Halbleiterumsatz soll dabei auf 10,7 Milliarden Dollar steigen. Den mittelfristigen Horizont hat Tan noch weiter gesteckt: „Wir haben Sichtlinie auf mehr als 100 Milliarden Dollar KI-Umsatz allein aus Chips im Jahr 2027.“

Hyperscaler als Wachstumsmotor

Hinter diesen Zahlen steckt eine wachsende Kundenbasis unter den größten Cloud-Anbietern der Welt. Broadcom entwickelt Custom-AI-Acceleratoren für fünf Kernkunden — darunter Alphabet und Meta Platforms. Auf dem Earnings Call Anfang März kam ein sechster Kunde hinzu: OpenAI.

Das KI-Netzwerkgeschäft, das im ersten Quartal rund 33 Prozent des gesamten KI-Umsatzes ausmachte, soll im zweiten Quartal auf 40 Prozent wachsen. Broadcom positioniert sich damit als zentraler Infrastrukturlieferant für Rechenzentren, die zunehmend auf maßgeschneiderte ASICs statt auf GPUs setzen — ein struktureller Vorteil, der sich in den Auftragsbüchern der Hyperscaler widerspiegelt.

Im ersten Quartal flossen 10,9 Milliarden Dollar an die Aktionäre zurück: 3,1 Milliarden als Dividende, 7,8 Milliarden über Aktienrückkäufe. Ein neues Rückkaufprogramm über bis zu 10 Milliarden Dollar läuft bis Ende 2026.