Broadcom- vs. Marvell-Aktie: Duell um das KI-Rückgrat

Broadcom Aktie

Die Revolution der künstlichen Intelligenz ist im Kern eine Hardware-Schlacht. Hinter den großen Sprachmodellen und komplexen Algorithmen tobt ein globaler Wettlauf um die physische Infrastruktur, die diesen immensen Rechenhunger stillen kann. In dieser kritischen Arena stehen sich zwei Titanen gegenüber, die das Fundament für die KI-Zukunft liefern: Broadcom und Marvell Technology. Beide Unternehmen sind die Architekten der Hochgeschwindigkeits-Rechenzentren, doch ihre Ansätze könnten unterschiedlicher kaum sein.

Für Anleger bietet der Sektor enormes Wachstumspotenzial, aber auch Turbulenzen. Broadcom, der diversifizierte Industriegigant, trotzt Marktschwankungen, während die KI-Umsätze explodieren. Analysten hoben erst diese Woche das Potenzial hervor und verwiesen auf neue Impulse durch die vertiefte Partnerschaft mit Alphabet. Auf der anderen Seite steht Marvell Technology, der fokussierte Herausforderer. Mit einer aggressiven Übernahmestrategie will Marvell die Datenautobahnen der nächsten Generation dominieren. Während Broadcom auf schiere Größe setzt, wettet Marvell auf spezialisierte Technologien wie optische Verbindungen, um die größten Engpässe der KI zu lösen. Doch welche Aktie gehört ins Depot?

David gegen Goliath: Wer hat den besseren Plan?

Broadcom und Marvell gehen den Halbleitermarkt mit grundlegend verschiedenen Strategien an. Broadcom agiert als Koloss: Ein breit aufgestelltes Kraftpaket mit einem Portfolio, das von Netzwerken über maßgeschneiderte Chips bis hin zu Speicherlösungen reicht. Seit der Übernahme von VMware verfügt der Konzern zudem über ein hochprofitables Software-Standbein. Die wahre Stärke liegt jedoch in der tiefen Verwurzelung bei den „Hyperscalern“ – den größten Cloud-Anbietern der Welt. Als führender Lieferant von ASICs (anwendungsspezifischen Chips) für Kunden wie Google und mit seinen Tomahawk-Switches setzt Broadcom den Industriestandard. Dieser „Alles-aus-einer-Hand“-Ansatz schafft einen gewaltigen Burggraben.

Im Gegensatz dazu verkörpert Marvell den agilen Spezialisten. Das Unternehmen hat sein Portfolio radikal geschärft und konzentriert sich voll auf Hochleistungs-Chips für KI-Rechenzentren. Obwohl Marvell deutlich kleiner ist, gilt es als Innovationsführer in Nischenmärkten. Die jüngsten Zukäufe von Celestial AI und XConn Technologies unterstreichen das Ziel: Die Führung bei Technologien zu übernehmen, die riesige KI-Cluster mit hoher Bandbreite und geringer Latenz vernetzen. Marvells Erfolg hängt davon ab, ob es gelingt, mehr maßgeschneiderte Design-Aufträge von Top-Cloud-Kunden zu ergattern und so die eigene Technologie zu validieren.

Technologie-Check: Wo liegt die Innovation?

Im Herzen dieses Wettbewerbs steht die Innovationskraft. Broadcoms Vorsprung basiert auf Skalierung und enger Kundenbindung. Die Dominanz bei kundenspezifischen ASICs ermöglicht es den Hyperscalern, ihre Hardware exakt auf KI-Workloads abzustimmen – eine mächtige Alternative zu Standardprozessoren. Da KI-Modelle immer größer werden, dürfte die Nachfrage nach solch maßgeschneidertem Silizium massiv steigen. Zudem ist Broadcoms Netzwerktechnik unverzichtbar, um Datengeschwindigkeiten von 800G und mehr zu bewältigen und Datenstaus zu verhindern.

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Marvell hingegen positioniert sich als der „Klempner“ der KI-Supercomputer. Das Unternehmen ist führend bei optischen Verbindungen (Optical Interconnects). Diese Technologie nutzt Licht statt Kupfer zur Datenübertragung und überwindet so die physikalischen Grenzen herkömmlicher Verkabelung in riesigen KI-Systemen. Die Wette auf die „Photonic Fabric“-Technologie ist mutig: Sie soll der Schlüssel sein, um die Leistung der nächsten Rechenzentrums-Generation freizusetzen. Damit ist Marvell nicht nur Komponentenlieferant, sondern ein Wegbereiter für völlig neue Systemarchitekturen.

Zahlen-Showdown: Profitabilität trifft auf Wachstum

Ein Blick in die Bilanzen verdeutlicht die unterschiedlichen Rollen am Markt. Broadcom ist eine Finanzmaschine, die gewaltige Gewinne und freien Cashflow generiert. Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026 prognostizierte das Unternehmen einen Umsatz von massiven 19,1 Milliarden US-Dollar. Allein der Umsatz mit KI-Halbleitern soll sich im Jahresvergleich auf 8,2 Milliarden US-Dollar verdoppeln. Diese Profitabilität ermöglicht enorme Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie konstante Rückflüsse an die Aktionäre.

Marvell operiert auf einer kleineren Skala, zeigt aber beeindruckendes Wachstum, befeuert durch den KI-Boom. Im jüngsten Quartal meldete das Unternehmen einen Umsatzsprung von 36,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, getrieben durch die rasant steigende Nachfrage im Rechenzentrumsbereich. Dieser Sektor macht nun den Löwenanteil des Geschäfts aus. Für Investoren stellt sich die Frage: Kann Marvells höheres prozentuales Wachstum in die Skaleneffekte und Profitabilität münden, die einen Marktführer auszeichnen?

KennzahlBroadcom (AVGO)Marvell Technology (MRVL)
Marktkapitalisierung~1,5 Bio. USD~68,04 Mrd. USD
Jahresumsatz (TTM)~50 Mrd. USD+ (vor VMware)~8,18 Mrd. USD (GJ 2026 Schätzung)
Umsatzwachstum (Letztes Q YoY)28 % (Q4 2025)36,8 % (Q3 GJ 2026)
KGV (Forward)~39,3~29,24

Bewertung: Schnäppchen oder Premium-Preis?

Bei der Bewertung zeigt sich das klassische Szenario „Value gegen Growth“. Broadcom wird mit einem Aufschlag gehandelt. Das Forward-KGV von rund 39 spiegelt die Marktdominanz, die außergewöhnliche Profitabilität und die unverzichtbare Rolle in der KI-Lieferkette wider. Der Markt billigt dem Unternehmen diesen Multiplikator zu, weil es bewiesen hat, dass es enorme Cashflows generieren kann. Auch die verlässliche Dividende macht die Aktie für einkommensorientierte Anleger attraktiv.

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Marvells Bewertung ist fast ausschließlich eine Wette auf die Zukunft. Obwohl das aktuelle Gewinnvielfache niedriger ist als bei Broadcom, preisen Anleger die Erwartung ein, dass Marvell in den kommenden Jahren signifikante Marktanteile gewinnt und die Margen ausweitet. Die Investment-Story lautet hier: Die Technologieführerschaft in Wachstumsnischen wie optischen Verbindungen wird es Marvell erlauben, in seine Bewertung hineinzuwachsen. Die Aktie ist eine Spekulation auf Innovation und Exekution – mit der Chance auf eine Neubewertung, falls die strategischen Übernahmen Früchte tragen.

Chancen und Risiken: Der schnelle Überblick

Broadcom (AVGO)

  • Das spricht dafür: Das Unternehmen ist tief bei den Hyperscalern verwurzelt und profitiert direkt von deren massiven KI-Ausgaben. Die Integration von VMware verspricht Margenausweitung, während die Führung bei KI-Beschleunigern einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil bietet. Zudem lockt eine starke Dividende.
  • Das spricht dagegen: Die hohe Bewertung macht die Aktie anfällig für jede wahrgenommene Abschwächung der KI-Investitionen. Auch die Integration des VMware-Riesen birgt Risiken, ebenso wie die Abhängigkeit von den Investitionszyklen weniger Großkunden.

Marvell Technology (MRVL)

  • Das spricht dafür: Marvell ist perfekt positioniert, um das explosive Wachstum bei optischen Verbindungen abzugreifen – einem der größten KI-Engpässe. Die geringere Größe sorgt für Agilität und potenziell höhere Wachstumsraten. Erfolge bei kundenspezifischen Chips könnten den Umsatz deutlich beflügeln.
  • Das spricht dagegen: Der Konzern steht im direkten Wettbewerb mit dem viel größeren und finanzstärkeren Broadcom. Die Kundenkonzentration ist historisch hoch und die Integration neuer Übernahmen muss erst noch in nachhaltige Gewinne umgemünzt werden.

Fazit: Sicherheit oder Spekulation?

Die Wahl zwischen Broadcom und Marvell Technology ist eine Entscheidung zwischen zwei grundverschiedenen Anlagephilosophien innerhalb desselben Megatrends. Broadcom repräsentiert den etablierten, hochprofitablen Marktführer. Ein Investment hier ist eine Wette auf anhaltende Dominanz, unvergleichliche Skalierung und die kraftvolle Kombination aus erstklassiger Hardware und margenstarker Software. Es ist der Titan der Branche, der einen massiven Teil der Wertschöpfungskette kontrolliert.

Marvell hingegen bietet die Story des fokussierten Innovators. Das Unternehmen wettet mutig auf eine Zukunft, in der Datenkonnektivität alles entscheidet, und positioniert sich als Problemlöser für die Engpässe von morgen. Ein Einstieg bei Marvell ist eine Spekulation auf technologische Überlegenheit und die Fähigkeit, größere Rivalen in neuen Schlüsselmärkten auszumanövrieren. Wer sein Depot mit der KI-Revolution aufladen will, muss sich entscheiden: Setzt man auf die beständige Stärke des Königs oder auf das disruptive Potenzial des Rebellen?

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