Die britische BT Group bereitet sich auf einen signifikanten strategischen Wendepunkt vor. Während der massive Ausbau des Glasfasernetzes durch die Tochtergesellschaft Openreach planmäßig seinem Abschluss entgegengeht, bekräftigte Vorstandschefin Allison Kirkby das Ziel, den freien Cashflow in den kommenden Jahren drastisch zu steigern. Das Unternehmen steht vor dem Übergang von einer Phase intensiver Investitionen hin zu einer Phase erhöhter Kapitalrückführungen an die Aktionäre.
Sinkende Investitionskosten treiben Cashflow-Ziele
Medienberichten zufolge nähert sich BT einem entscheidenden operativen Meilenstein: Bis Dezember soll das Ziel von 25 Millionen erreichten Haushalten beim Vollausbau mit Glasfaser (Full-Fibre) realisiert sein.
Diese Fertigstellung hat unmittelbare Auswirkungen auf die Bilanz des Telekommunikationskonzerns. Die Investitionsausgaben, die im Geschäftsjahr 2026 noch bei 5,1 Milliarden Pfund lagen, sollen im Folgejahr voraussichtlich auf etwa 4,3 Milliarden Pfund sinken.
CEO Allison Kirkby unterstrich am Sonntag die langfristigen Finanzziele des Konzerns. Demnach strebt BT an, bis zum Jahr 2027 einen normalisierten freien Cashflow von 2,0 Milliarden Pfund zu generieren.
Bis zum Jahr 2030 soll dieser Wert auf 3,0 Milliarden Pfund steigen. Diese nachhaltige Cash-Generierung gilt als zentraler Hebel, um die Bewertungslücke zwischen der aktuellen Marktkapitalisierung und dem inneren Wert der Unternehmensvermögenswerte zu schließen.
Dividendenplus und Kursentwicklung im Jahresverlauf
Anleger können sich kurzfristig auf eine Ausschüttung einstellen. Am 9. September zahlt die BT Group eine Schlussdividende von 5,87 Pence pro Aktie an die Aktionäre aus, die zum Stichtag am 7. August im Register eingetragen waren. Damit erhöht sich die Gesamtdividende für das Geschäftsjahr 2026 auf 8,32 Pence, was einer Steigerung von 2 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Ab dem Geschäftsjahr 2027 beabsichtigt das Management zudem, ein jährliches Dividendenwachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich anzustreben.
An der Börse wird dieser Kurs im laufenden Jahr insgesamt positiv gewürdigt: Die Aktie verzeichnet seit Jahresbeginn ein Plus von 14 %. Nach einem leichten Kursrückgang am gestrigen Mittwoch notiert das Papier aktuell bei 2,41 Euro und hält damit einen Abstand von 3,9 % über seinem 50-Tage-Durchschnitt.
Trotz der positiven Kursdynamik seit Januar verfehlte der Gewinn pro Aktie im abgelaufenen Turnus mit 0,11 Pfund die Erwartungen der Analysten um 14 %, während der Umsatz von 19,7 Milliarden Pfund den Marktschätzungen entsprach.
Technologische Innovationen und regulatorische Herausforderungen
Flankiert wird die finanzielle Transformation durch eine stabile Bewertung der Kreditwürdigkeit. Am Freitag bestätigte die Ratingagentur Fitch das langfristige Emittentenausfallrating von BT mit „BBB“ und einem stabilen Ausblick. Die Analysten verwiesen auf das solide Geschäftsprofil und die starke Position im britischen Mobilfunkmarkt.
In diesem Segment setzte das Unternehmen am Donnerstag vergangener Woche mit der Marke EE ein technisches Zeichen: Als erster kommerzieller Anbieter in Großbritannien startete EE „Fast Lane“ auf seinem 5G+-Netz. Dieses Verfahren nutzt das sogenannte Network Slicing, um Privatkunden und kleinen Unternehmen auch in Zeiten extrem hoher Netzauslastung garantierte Bandbreiten bereitzustellen.
Neben den technologischen Fortschritten sieht sich der Konzern jedoch auch kritischen Tönen gegenüber. Laut einem Bericht von Computerweekly wurde BT für die mangelnde Transparenz bei der Bewerbung von Sozialtarifen für Haushalte mit geringem Einkommen kritisiert, obwohl das Unternehmen Unterzeichner der Telekommunikations-Verbrauchercharta ist.
Personell setzt BT auf Kontinuität und Expertise: Patricia Cobian, die zuvor als Finanzchefin bei Virgin Media O2 tätig war, wurde als Direktorin bestätigt. Neue Impulse zum aktuellen Geschäftsverlauf werden für den 5. November erwartet, wenn die BT Group die Ergebnisse für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 vorlegt.
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