BYD rückt derzeit weniger wegen des kleinen Comebackversuchs als wegen einer strategischen Grundsatzfrage in den Mittelpunkt. Doch der Reihe nach: Die Aktie notierte am Mittwoch zuletzt bei 9,26 Euro und verlor weitere 0,85 %. Auf Monatssicht ergibt sich dennoch ein Plus von 15,18 %, während seit Jahresbeginn weiterhin ein Minus von 12,48 % zu Buche steht. Noch gravierender ist der Umstand, dass die Notierungen unter die Marke von 10 Euro gerutscht waren und fast sogar die 8-Euro-Unterstützung verletzt hätten. Hier kam es dann zuletzt zur Wende nach oben. Die verlor wieder etwas Kraft. Damit zeigt sich, dass Investoren trotz der jüngsten Erholung noch nicht überzeugt sind, ob der Konzern den zunehmenden Wettbewerbsdruck in China dauerhaft kompensieren kann.

BYD: Der Heimatmarkt ist und bleibt enorm wichtig

Genau dort entscheidet sich inzwischen der wichtigste Teil der Unternehmensstrategie. Im Heimatmarkt liefern sich die großen Hersteller einen intensiven Preiswettbewerb. BYD reagierte darauf in den vergangenen Monaten mehrfach mit Preissenkungen, wodurch die Margen unter Druck gerieten. Während das Absatzwachstum hoch bleibt, entwickelt sich die Gewinnseite deutlich schwieriger. Für Anleger steht deshalb weniger die Zahl der verkauften Fahrzeuge als vielmehr die Profitabilität im Mittelpunkt.

Demgegenüber steht ein Auslandsgeschäft, das sich immer stärker zum zweiten Wachstumsmotor entwickelt. Im Juni setzte BYD weltweit mehr als 403.000 Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride ab. Rund 175.000 Fahrzeuge wurden außerhalb Chinas verkauft. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Exportwachstum von rund 95 %. Gleichzeitig treibt der Konzern den Aufbau seiner internationalen Produktion voran. Ende 2026 soll das neue Werk in Ungarn anlaufen. Dadurch könnte BYD Handelshemmnisse innerhalb Europas umgehen und seine Marktposition weiter ausbauen.

Die Analysten richten ihren Blick deshalb zunehmend auf die kommenden Geschäftsjahre. Nach den Konsensschätzungen soll der Umsatz von rund 942 Milliarden Chinesischen Yuan im Jahr 2026 auf mehr als 1,05 Billionen Chinesische Yuan 2027 steigen. Beim Nettogewinn erwarten Experten gleichzeitig einen Anstieg von knapp 39,5 auf gut 50 Milliarden Chinesische Yuan. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis würde dadurch von 16,7 auf 13,1 sinken. Die Bewertung setzt somit bereits auf eine deutliche Verbesserung der Ertragskraft. Daraus resultieren Kursziele von annähernd 14 Euro (im Konsens)! Das wären über 40 %!