Dass die gegenwärtigen Expansionserfolge der BYD zumindest am Freitag honoriert wurde, zeigt der Schlusskurs von 10,13 Euro nach einem Tagesplus von 1,60 %. Gleichzeitig liegt die Aktie noch rund 24 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 13,23 Euro, während sie ihren 50-Tage-Durchschnitt von 9,55 Euro um 5,2 % übertrifft. Damit hat sich der Titel zuletzt technisch verbessert, ohne die frühere Höchstmarke wieder in Reichweite gebracht zu haben.

Analysten sind noch immer der Meinung, die Aktie könne sehr viel mehr leisten. Die Kursziele liegen sehr deutlich über dem aktuellen Kursniveau der BYD.

BYD: Die Entwicklung ist und war stark

1,81 Millionen Fahrzeuge im ersten Halbjahr und ein Jahresziel von fünf Millionen Einheiten: Für BYD wird die zweite Jahreshälfte zum Härtetest. Um zumindest die untere Grenze dieses Ziels zu erreichen, müsste der Konzern durchschnittlich rund 530.000 Fahrzeuge pro Monat verkaufen.

Der Juli zeigte dabei eine deutliche Beschleunigung. BYD setzte im Großhandel 419.211 Elektro- und Hybridfahrzeuge ab, ein Plus von 21,76 % gegenüber dem Vorjahr. Im Juni hatte das Wachstum nur 5,46 % betragen. Es war bereits der dritte Monat in Folge mit steigenden Verkaufszahlen, dennoch bleibt der Abstand zum notwendigen monatlichen Tempo erheblich.

Gleichzeitig erweitert der Konzern seine Modellpalette. Auf der Auto Show 2026 in Chengdu startete der Vorverkauf der neuen Da Han. Die Flaggschiff-Limousine wird oberhalb des bisherigen Han positioniert und soll in der vollelektrischen Version nach dem CLTC-Standard bis zu 1.008 Kilometer Reichweite bieten.

Zum Start sind drei Varianten vorgesehen. Die Heckantriebsversion mit LiDAR-Ausstattung kostet umgerechnet rund 36.850 US-Dollar. Eine stärkere Allradversion soll 880 Kilometer Reichweite erreichen und knapp 300.000 Yuan kosten. Luftfederung, Hinterradlenkung und das LiDAR-gestützte Fahrassistenzsystem God’s Eye B gehören zur Ausstattung.

Auch Fang Cheng Bao verlässt seine bisherige Nische. Die bislang vor allem auf Geländewagen ausgerichtete Performance-Marke stellte mit Formula S und Formula S GT erstmals Limousinen vor. Die Fahrzeuge kosten zwischen 230.000 und 280.000 Yuan, die stärkere Doppelmotor-Version erreicht bis zu 240 km/h. Die ersten Auslieferungen sollen Anfang September beginnen.

Neben neuen Modellen verändert BYD auch seine europäische Strategie. In Szeged entsteht das erste europäische Pkw-Werk, dessen Start von Ende 2025 auf Ende 2026 verschoben wurde. Zunächst sollen dort 150.000 Fahrzeuge jährlich produziert werden, langfristig ist eine Verdopplung geplant. Das geplante Werk in der Türkei wurde dagegen vorerst gestoppt.

Die stärkere EU-Präsenz soll hohe Zölle, lange Transportwege und mögliche Engpässe bei Autofrachtschiffen entschärfen. Auf eine eigene europäische Batteriezellfertigung verzichtet BYD jedoch zunächst, sodass weiterhin Komponenten aus China importiert werden sollen. Zudem muss der Konzern europäische Käufer noch bei Markenbekanntheit, Service, Zuverlässigkeit und Restwerten überzeugen.

Der 28. August mit den Halbjahreszahlen wird damit zum nächsten wichtigen Prüfstein. Es geht um den gesamten Trend!