BYD erweitert sein Modellprogramm in einem Tempo, das den chinesischen Automarkt mit einer anderen Frage konfrontiert: Können neue Fahrzeuge außerhalb des Heimatmarktes höhere Margen erzielen? Auf der Chengdu Motor Show präsentierte der Konzern die dritte Generation des Tang SUV mit einer Blade-Batterie der zweiten Generation, bis zu 850 Kilometern CLTC-Reichweite und einer Schnellladung innerhalb von fünf Minuten.
Zum Ende des Freitagshandels stand die BYD-Aktie bei 9,877 Euro und damit 0,88 % niedriger als zuvor. Der Kurs liegt rund 23 % unter dem 52-Wochen-Hoch von 12,99 Euro, gleichzeitig aber 3,5 % über dem 50-Tage-Durchschnitt von 9,65 Euro.
BYD expandiert noch immer erfolgreich
Für BYD entscheidet sich dabei zunehmend, wo neue Fahrzeuge verkauft werden. Im ersten Halbjahr sank der Umsatz um 7,1 %, während der Nettogewinn um 20,5 % zurückging. Im zweiten Quartal drehte das Ergebnis jedoch nach oben: Der Nettogewinn wuchs um 30 % auf 8,25 Mrd. Yuan beziehungsweise rund 1,05 Mrd. Euro. Höhere Exporte und die Nachfrage nach teureren Fahrzeugen verbesserten die Profitabilität, während der chinesische Preiskampf weiter auf dem Geschäft lastete.
Die internationale Expansion liefert dafür mehrere Ansatzpunkte. In Kingston startete der Plug-in-Hybrid-SUV Atto 8 in der Karibik und soll von dort fünf Märkte bedienen. In Bangladesch vereinbarte der Partner Runner Automobiles mit BYD eine technische Zusammenarbeit für die lokale Fertigung von Elektroautos. Für Kanada prüft der Konzern Berichten zufolge ein Händlernetz mit mehr als 20 Filialen.
Auch die Modellpalette reicht inzwischen deutlich über das bestehende Angebot hinaus. Für eine Premium-Limousine der Submarke Fang Cheng Bao laufen Vorbestellungen, während der „Great Han“ mehr als 1.000 Kilometer Reichweite und einen Einstiegspreis von unter 40.000 US-Dollar bieten soll. Parallel hat BYD in China bereits 10.000 „Flash Charging“-Stationen errichtet und damit die Hälfte des Jahresziels von 20.000 Stationen erreicht.
Eine weitere Säule liegt außerhalb des Automobilgeschäfts. BYD Energy Storage erreichte im ersten Halbjahr weltweit den ersten Platz bei den Lieferungen von Batteriespeichersystemen. Der Marktanteil lag bei 9,1 %, während die Lieferungen um 96,6 % gegenüber dem Vorjahr zunahmen.
Für die europäische Expansion bleibt der Aufbau eines dichten Händler- und Servicenetzes entscheidend, weil BYD damit seine Fahrzeuge näher an gewerbliche Kunden bringt. Gerade im Firmenwagengeschäft treffen kurze Lieferzeiten, konkurrenzfähige Preise und die hauseigene Blade-Batterie auf Fuhrparkmanager, die stärker auf Total Cost of Ownership achten.
Der deutsche Dienstwagenmarkt könnte dadurch stärker umkämpft werden. Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW verfügen dort traditionell über hohe Stückzahlen, während BYD mit konsequenter Elektrifizierung und einer breiten Modellpalette in eine Lücke stößt, die bei preiswerten Elektrofahrzeugen bislang nicht vollständig geschlossen ist.
Deshalb sehen Analysten noch immer stark steigende Kursziele.
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