BYD ist im Grunde immer noch im Tiefgang und im formalen Abwärtstrend. Das chinesische Unternehmen notiert bei 9,51 Euro und gewann am Freitag gerade wenigstens 1,24 %. Damit gelingt dem Papier zwar eine leichte Gegenbewegung, die übergeordnete Entwicklung bleibt jedoch schwach. Innerhalb von fünf Handelstagen verlor die Aktie 3,57 %, auf Jahressicht summiert sich das Minus bereits auf 11,28 %.

Ausgerechnet in dieser Phase sorgt eine strategische Entscheidung des Konzerns für Diskussionen: BYD bremst den Ausbau seiner europäischen Produktionskapazitäten.

BYD: Neue Reaktion in Europa

Besonders betroffen ist das Werk im ungarischen Szeged. Nach den aktuellen Planungen sollen dort die ersten Fahrzeuge erst im vierten Quartal 2026 vom Band laufen. Ursprünglich war vorgesehen, deutlich früher die volle Produktionsleistung zu erreichen. Gleichzeitig wurde das geplante Werk im türkischen Manisa vorerst eingefroren. Die ursprünglich angekündigte Investition von rund einer Milliarde US-Dollar liegt damit zunächst auf Eis.

Die Entscheidung überrascht vor allem deshalb, weil die Entwicklung in Europa weiterhin stark ausfällt. Im Jahr 2025 lieferte BYD nach Unternehmensangaben rund 188.000 Fahrzeuge auf dem Kontinent aus. Das entsprach einem Wachstum von 270 % gegenüber dem Vorjahr. In den ersten fünf Monaten 2026 kamen weitere mehr als 100.000 Fahrzeuge hinzu. Das entspricht einem Plus von 144 %.

Dabei arbeitet BYD an alternativen Expansionsmöglichkeiten. Nach Angaben aus dem Umfeld des Konzerns werden bestehende Produktionsstandorte in Südeuropa geprüft. Als möglicher Kandidat gilt das ehemalige Ford-Werk im spanischen Valencia. Durch Übernahmen bestehender Anlagen könnte BYD schneller lokale Produktionskapazitäten aufbauen als durch den Neubau zusätzlicher Fabriken.

Die Ursachen für die vorsichtigere Investitionspolitik liegen vor allem im chinesischen Heimatmarkt. Dort gingen die Inlandskäufe im Mai gegenüber dem Vorjahresmonat um 20,4 % zurück. Parallel warnen chinesische Behörden zunehmend vor einem eskalierenden Preiswettbewerb innerhalb der Branche. Damit verschiebt sich der Fokus des Managements teilweise von aggressiver Expansion hin zu einer effizienteren Kapitalallokation.

Trotz der aktuellen Anpassungen bleibt Europa ein zentraler Wachstumsmarkt. BYD-Vizepräsidentin Stella Li erklärte, weitere europäische Standorte würden nach einem erfolgreichen Produktionsanlauf in Ungarn geprüft. Gleichzeitig betonte Europa-Chef Alfredo Altavilla, dass BYD in mehreren europäischen Märkten schneller Marktanteile gewonnen habe als viele Wettbewerber.

BYD ist daher in den Augen der Analysten noch immer sehr viel mehr wert. Gigantische Kursziele sind das Ergebnis!