Am Freitag steht die BYD-Aktie erneut etwas unter Druck. In Stuttgart verliert der Titel rund 1 % und wird bei etwa 9,40 Euro gehandelt. Damit bleibt die Aktie deutlich unter den Höchstkursen der vergangenen zwölf Monate. Das 52-Wochen-Hoch liegt je nach deutschem Handelsplatz bei rund 12,50 bis 12,70 Euro. Ende Juni war BYD bis auf gut 8 Euro zurückgefallen.

Die Börse muss derzeit zwei sehr unterschiedliche Entwicklungen verarbeiten. Auf der einen Seite wächst BYD im Ausland weiter kräftig. Die Auslieferungen außerhalb Chinas haben sich im August gegenüber dem Vorjahresmonat ungefähr verdoppelt. Gerade dieses internationale Geschäft ist für BYD wichtig, weil der Preiskampf auf dem chinesischen Heimatmarkt die Margen belastet.

BYD hat ein Problem in China

Nun kommt aus China eine Nachricht hinzu, die Anleger nicht unterschätzen sollten. Die chinesischen Aufsichtsbehörden verschärfen ihre Qualitätskontrollen in der Autoindustrie. BYD und Geely gehören zu den Herstellern, bei denen Abweichungen zwischen produzierten Fahrzeugen und den zuvor eingereichten Unterlagen festgestellt wurden.

Bei einem BYD Qin L DM-i lag der gemessene Verbrauch in einem bestimmten Betriebsmodus über dem angegebenen Wert. Bei anderen untersuchten Fahrzeugen der chinesischen Hersteller gab es unter anderem Probleme bei Abmessungen, Bedienungsanleitungen sowie bei Notfall- und Seitenaufprallschutzsystemen.

Die Angelegenheit geht über einzelne Fahrzeuge hinaus. Vier chinesische Ministerien haben Ende August eine landesweite Kontrollaktion gestartet. Rund 100 heimische Hersteller müssen bis Ende 2026 Berichte über Produktqualität, Haltbarkeit und Zuverlässigkeit vorlegen. Hinzu kommen unangekündigte Werksprüfungen. Fahrzeuge und Komponenten können direkt aus Fabriken oder Händlerbetrieben entnommen, versiegelt und anschließend getestet werden.

Für BYD trifft diese Entwicklung einen empfindlichen Punkt. Chinesische Hersteller haben ihre Entwicklungszeiten massiv verkürzt. Ein neues Modell benötigt in China im Durchschnitt nur etwa zwei Jahre bis zum Marktstart. Bei vielen traditionellen ausländischen Herstellern sind drei bis fünf Jahre üblich. Teile der chinesischen Branche wollen die Entwicklungszeit mithilfe künstlicher Intelligenz sogar auf 18 Monate drücken.

Solche Nachrichten können durchaus belasten. Dennoch: Aktuell ist die Aktie deutlich schwächer als das, was Analysten erwarten. Deren Kursziele liegen sehr viel mehr als 40 % über den Notierungen.