Der chinesische E-Auto-Riese BYD greift nach der europäischen Traditionsmarke Renault. Wie das französische Finanzblatt Les Échos berichtet, haben die Chinesen in den vergangenen zwei Jahren gleich zweimal versucht, sich strategisch bei den Franzosen einzukaufen. Das Ziel hinter dem geheimen Manöver: BYD will unbedingt direkten Zugriff auf europäische Produktionswerke bekommen, um die drohenden EU-Strafzölle zu umgehen und logistisch flexibler zu werden. Im Gegenzug hätte Renault zwar Zugriff auf die moderne Batterie- und Hybridtechnologie der Chinesen erhalten, lehnte die Offerte jedoch bislang ab.

Die rote Linie im europäischen Kernmarkt

Eigentlich gilt Renault unter Konzernchef Luca de Meo als extrem offen für Allianzen. Die Franzosen kooperieren bereits intensiv mit dem chinesischen Konkurrenten Geely in Korea sowie Brasilien und betreiben ein Gemeinschaftsunternehmen für Verbrennungsmotoren. Doch beim Angebot von BYD ging es dem Management laut Insidern schlichtweg zu weit. Die Chinesen wollten demnach keine gleichberechtigte Partnerschaft auf Augenhöhe, sondern schielten unverhohlen auf die Kontrolle des Unternehmens. Für Renault ist der heimische Markt in Europa jedoch eine unantastbare rote Linie, weshalb die Verhandlungsführer den Vorstoß zweimal eiskalt abblitzen ließen.

BYD wildert weiter in Südeuropa

Auch wenn dieser Deal geplatzt ist, zeigt er deutlich, mit welcher Aggressivität BYD seine Expansion auf dem alten Kontinent vorantreibt. Zwar baut der Konzern bereits ein eigenes Werk in Ungarn, doch die Pläne für einen weiteren Standort in der Türkei liegen derzeit auf Eis. Stattdessen sucht BYD-Europachefin Stella Li nun intensiv nach existierenden Fabriken im südeuropäischen Raum, die man schnell und unkompliziert übernehmen kann. Renault war dabei offenbar nicht das einzige Ziel auf der Shoppingtour. Li ließ jüngst durchblicken, dass der Konzern auch an der Übernahme anderer kriselnder Traditionsmarken interessiert ist. Ganz oben auf der Wunschliste steht dabei angeblich die italienische Luxusmarke Maserati.