Während der Wettbewerb in China immer härter wird, richtet BYD seinen Blick längst auf die internationalen Märkte. Neue Werke, steigende Produktionskapazitäten und ehrgeizige Wachstumsziele sollen den nächsten Entwicklungsschritt ermöglichen. An der Börse sorgt diese Strategie bislang allerdings kaum für Begeisterung. Die Aktie befindet sich auch am Montag trotz leichter Zugewinne noch immer auf einem schwächeren Niveau. Fast 10 Euro zeigen die Kurstafeln aktuell noch an. 9,85 Euro sind es genau. BYD scheitert noch daran, sich dauerhaft über der Marke von 10 Euro festzusetzen.

BYD: Noch ist der Durchbruch nicht gelungen

Der Grund für diese Zurückhaltung liegt vor allem im Heimatmarkt. Dort bekam BYD die Folgen des intensiven Preiskampfs im ersten Halbjahr deutlich zu spüren. Die Verkäufe in China gingen um 39 % zurück. Gleichzeitig belasteten gekürzte Förderprogramme die gesamte Branche. Viele Hersteller versuchen inzwischen, ihre Marktanteile mit Rabatten zu verteidigen. Das drückt auf die Margen und lässt Investoren vorsichtiger werden.

Außerhalb Chinas zeigt sich dagegen ein ganz anderes Bild. In Brasilien rollte inzwischen das 100.000. Elektrofahrzeug vom Band, während BYD gleichzeitig seine Präsenz in Europa weiter ausbaut. Das neue Werk in Ungarn soll künftig Fahrzeuge direkt für den europäischen Markt produzieren und damit die Abhängigkeit von Exporten aus China verringern. Das könnte nicht nur Lieferzeiten verkürzen, sondern auch helfen, mögliche zusätzliche Importzölle der Europäischen Union abzufedern.

Diese internationale Expansion ist kein kurzfristiges Projekt. Unternehmenschef Wang Chuanfu verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: Bis zum Ende des Jahrzehnts soll Toyota als weltweit größter Autohersteller abgelöst werden. Angesichts der aktuellen Schwierigkeiten in China wirkt dieses Vorhaben ambitioniert. Gleichzeitig zeigt der Ausbau der Produktionskapazitäten, dass BYD seine langfristige Wachstumsstrategie konsequent weiterverfolgt.

Interessant ist deshalb die Einschätzung vieler Analysten. Sie richten ihren Blick weniger auf die schwächere Entwicklung im chinesischen Markt als auf die Fortschritte im Ausland. Im Durchschnitt sehen sie die Aktie weiterhin bei mehr als 14 Euro. Gegenüber dem aktuellen Kurs entspricht das einem Potenzial von rund 40 %. Die Börse scheint derzeit jedoch erst den Beweis sehen zu wollen, dass die Expansion außerhalb Chinas die Schwäche im Heimatmarkt dauerhaft ausgleichen kann.