BYD muss in Europa schneller werden. Der Konzern braucht Produktionskapazitäten außerhalb Chinas, um den internationalen Absatzboom abzusichern, doch ausgerechnet das wichtigste europäische Werk kommt nur schleppend voran. In Szeged wurde der Serienstart inzwischen auf das vierte Quartal 2026 verschoben.
Auf rund 300 Hektar entsteht dort die erste europäische Pkw-Fabrik des Konzerns. Zunächst sollen jährlich 150.000 Fahrzeuge vom Band laufen, darunter Dolphin Surf und Atto. Ursprünglich war ein früherer Produktionsbeginn vorgesehen. Nun liegt das Projekt ungefähr ein Jahr hinter der ursprünglichen Planung. Berichte über Arbeitsrechtsverstöße bei Subunternehmern sowie zusätzliche Prüfungen durch die ungarische Regierung erhöhen die Unsicherheit.
Für BYD ist die Fabrik strategisch weit mehr als ein neues Werk. Eine lokale Fertigung könnte EU-Strafzölle umgehen und zugleich die logistischen Grenzen der eigenen Transportkapazitäten entschärfen. Vollständig europäisch wird die Produktion allerdings zunächst nicht: Batteriezellen sollen weiterhin aus Asien kommen, weil der Import von Modulen derzeit wirtschaftlicher ist.
Der Konzern zieht daraus offenbar Konsequenzen. Nachdem der geplante zweite Standort in der Türkei wegen schwacher Absatzzahlen auf Eis gelegt wurde, sucht BYD nun nach einer bestehenden Fabrik im Süden Europas, etwa in Spanien. Eine Übernahme könnte deutlich schneller zu zusätzlicher Produktionskapazität führen als ein weiterer Neubau.
BYD steht unter Zeitdruck
Der Zeitdruck kommt nicht von ungefähr. BYD hat sich für 2026 ein Absatzvolumen von 5,0 bis 5,5 Millionen Fahrzeugen vorgenommen. Um dieses Ziel noch zu erreichen, müsste der Konzern in den verbleibenden Monaten durchschnittlich rund 530.000 Fahrzeuge pro Monat verkaufen. Dieses Niveau wurde bisher in keinem einzelnen Monat erreicht. Gleichzeitig wächst der internationale Absatz rasant und könnte einen Teil der chinesischen Schwäche auffangen.
Die Börse bleibt trotz dieser offenen Fragen vergleichsweise moderat: Zum Handelsende am Dienstag lag BYD bei 10,24 Euro, ein Tagesplus von 2,48 %. Bis zum nächsten großen Kurstest dauert es nicht mehr lange. Am 28. August, also am Freitag müssen die Halbjahreszahlen zeigen, ob die internationale Expansion schnell genug vorankommt oder ob BYD beim Spagat zwischen Heimatmarkt und globalem Wachstum an Grenzen stößt.
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