Die SGL Carbon SE hat im ersten Halbjahr 2026 die Rückkehr in die Gewinnzone vollzogen und ihre Prognose für das Gesamtjahr bekräftigt. Trotz eines rückläufigen Konzernumsatzes profitierte das Unternehmen von Effizienzsteigerungen und einmaligen Kompensationszahlungen. Anleger quittieren die Entwicklung mit einer stabilen Jahrestendenz: Seit Beginn des Jahres hat die Aktie bereits um 34 % zugelegt.

Umsatzrückgang bei verbesserter Profitabilität

Wie das Unternehmen am 6. August bekannt gab, sank der Konzernumsatz in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres um 13,0 % auf 394,2 Millionen Euro. Dieser Rückgang resultiert im Wesentlichen aus der planmäßigen Beendigung nicht profitabler Carbonfaser-Aktivitäten Mitte 2025 sowie einer schwächeren Nachfrage im Segment Graphite Solutions. Auch die Auftragslage in der Prozesstechnik stellte sich laut Unternehmensangaben herausfordernd dar.

Dennoch verbesserte sich das Konzernergebnis deutlich auf plus 11,8 Millionen Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Verlust von 31,4 Millionen Euro verbucht worden war. Das bereinigte EBITDA lag mit 69,8 Millionen Euro nur knapp unter dem Vorjahreswert von 72,5 Millionen Euro.

Positiv wirkte sich hierbei die bereinigte EBITDA-Marge aus, die von 16,0 % auf 17,7 % stieg. Ein wesentlicher Treiber für diese Entwicklung waren Kompensationszahlungen in Höhe von 28,7 Millionen Euro, die das Unternehmen aufgrund von Vertragsanpassungen mit Kunden aus der Halbleiterindustrie für deren Abnahmeverpflichtungen erhielt.

Segmententwicklung und Schuldensenkung

Besonders deutlich zeigte sich der Fokus auf Profitabilität im Segment Fiber Composites. Hier stieg das bereinigte EBITDA von 10,6 Millionen Euro im ersten Halbjahr des Vorjahres auf 18,9 Millionen Euro.

Die dazugehörige Marge verbesserte sich signifikant von 6,9 % auf 19,0 %. Im Gegensatz dazu verzeichnete das Segment Graphite Solutions zwar ein Umsatzplus von 5,9 % auf 234,1 Millionen Euro, litt jedoch unter der insgesamt volatilen Nachfragesituation.

Parallel zur operativen Entwicklung konnte SGL Carbon die Bilanzstruktur stärken. Die Nettofinanzschulden wurden zum Stichtag am 30. Juni 2026 auf 79,3 Millionen Euro reduziert, verglichen mit 98,9 Millionen Euro zum Jahresende 2025. Damit sank der Verschuldungsfaktor von 0,7 auf 0,6. Am Markt notiert das Papier heute bei 4,19 Euro, was einem leichten Rückgang von 0,2 % entspricht. Der Kurs bewegt sich damit weiterhin 7,3 % über dem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt von 3,90 Euro.

Ausbau der Kooperation mit X-Energy

Zusätzlich zu den Finanzzahlen festigte das Unternehmen seine Position im Bereich der nuklearen Graphitanwendungen. Anfang August unterzeichnete SGL Carbon eine verbindliche Vereinbarung mit dem Partner X-Energy Inc., um die Produktionskapazitäten für isostatisches Graphit am Standort Chedde in Frankreich zu verdoppeln.

X-Energy investiert hierfür bis zu 8 Millionen US-Dollar in neue Anlagen und Modernisierungen, die an das Erreichen bestimmter Meilensteine geknüpft sind. Bereits im Januar wurde ein zehnjähriger Liefervertrag für Reaktorkomponenten geschlossen, der laut Unterlagen der US-Börsenaufsicht SEC allein für die ersten drei Jahre ein Volumen von über 100 Millionen US-Dollar umfasst.

Für das Gesamtjahr 2026 bleibt der Vorstand zuversichtlich und bestätigte die bisherige Guidance. Erwartet wird ein Umsatz zwischen 720 und 770 Millionen Euro bei einem bereinigten EBITDA in einer Spanne von 110 bis 130 Millionen Euro. Die nächste detaillierte Berichterstattung erfolgt mit der Quartalsmitteilung zum 5. November.