Fast 58 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch — und dennoch erholt sich die Carl Zeiss Meditec Aktie langsam vom Tiefpunkt. Seit Ende März hat das Papier rund 18 Prozent zugelegt. Das klingt nach Trendwende, ist aber vor allem Stabilisierung auf niedrigem Niveau.

Margeneinbruch als Ausgangspunkt

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres brach die EBITA-Marge auf 1,7 Prozent ein. Der Umsatz sank auf 467 Millionen Euro. Haupttreiber des Absturzes: das China-Geschäft, das rund ein Viertel des Konzernumsatzes ausmacht. Staatliche Beschaffungsregeln für Intraokularlinsen drücken dort die Preise. Ein schwächeres Investitionsklima in Nordamerika verschärft die Lage zusätzlich.

Die Folge: Das Management zog die Jahresprognose zurück. Seither regiert Unsicherheit.

Vakanter Chefposten als Unsicherheitsfaktor

Andreas Pecher führt das Unternehmen seit Januar 2026 nur interimistisch. Ein dauerhafter CEO fehlt. Das ist kein Randdetail — Analysten nennen die Führungsfrage ausdrücklich als entscheidenden Bewertungsfaktor.

Der Konsens aus sechs Analysen liegt bei einem durchschnittlichen Kursziel von 38,50 Euro — also rund 40 Prozent über dem aktuellen Kurs von 27,62 Euro. Allerdings reicht die Spanne von 22,40 bis 50,00 Euro. So breit gestreute Schätzungen zeigen, wie wenig Klarheit der Markt über den weiteren Weg hat.

Pecher setzt derweil auf Kostensenkungen und Digitalisierung. Auf der ASCRS-Konferenz Anfang April präsentierte das Unternehmen entsprechende Ansätze. Ob das reicht, um die Margen nachhaltig zu stabilisieren, bleibt offen.

Charttechnik: Boden in Sicht?

Die Aktie notiert mit 27,62 Euro wieder über dem 50-Tage-Durchschnitt von 25,70 Euro — ein erstes technisches Signal. Der RSI von 14,7 zeigt allerdings, wie tief das Papier noch im überverkauften Bereich steckt. Vom 200-Tage-Durchschnitt bei 38,09 Euro trennt die Aktie noch ein Abstand von gut 27 Prozent.

Marktbeobachter werten die aktuelle Kursentwicklung als Bodenbildungsversuch — nicht mehr, nicht weniger.

Am 12. Mai legt Carl Zeiss Meditec die Halbjahreszahlen vor. Dann wird sich zeigen, ob das Management eine neue Prognose wagt — und ob die Führungsfrage bis dahin geklärt ist. Beides zusammen dürfte den nächsten größeren Kursbewegung auslösen.