Operative Höchstwerte treffen auf steigende Energiekosten. Der Kreuzfahrtkonzern Carnival profitiert zwar von einer anhaltend hohen Reisenachfrage, doch die fehlende Absicherung gegen schwankende Treibstoffpreise bremst den Gewinnsprung ein. Für das Gesamtjahr hob das Management die Prognose für den Gewinn je Aktie lediglich um 0,02 US-Dollar auf 2,24 US-Dollar an.
Das Unternehmen spürt damit unmittelbar die Bewegung an den Rohstoffmärkten. Während die Urlauber wieder reisen und an Bord konsumieren, fressen die Treibstoffausgaben einen großen Teil der operativen Ergebnisverbesserungen auf. Die Konzernführung steht vor der Herausforderung, trotz dieser Kostenlast die Profitabilität zu verteidigen.
Treibstoffkosten zehren operative Zuwächse auf
Im operativen Geschäft lief es zuletzt besser als veranschlagt. Gegenüber der ursprünglichen Prognose aus dem Frühsommer erwirtschaftete der Konzern einen operativen Vorteil von über 150 Millionen US-Dollar. Nahezu die gesamte Summe wird jedoch durch höhere Treibstoffkosten von rund 150 Millionen US-Dollar neutralisiert.
Weil Carnival weitgehend auf Absicherungsgeschäfte bei Schiffstreibstoffen verzichtet, schlagen Veränderungen der Marktpreise direkt auf das Nettoergebnis durch. Die Abhängigkeit vom Ölpreis bleibt damit das zentrale Risiko für die Ertragsentwicklung. Höhere Ticketeinnahmen und wachsende Bordausgaben federn diese Belastung derzeit zwar ab, können sie aber nicht vollständig ausgleichen.
Flotteneffizienz dämpft den Kostendruck
Gegensteuern will der Konzern vor allem mit einem sparsameren Schiffsbetrieb. Seit dem Jahr 2019 sank der spezifische Treibstoffverbrauch je angebotenem Bettentag um 26 Prozent. Laut Finanzvorstand bringt diese Verbrauchsreduzierung bei den jüngsten Preisannahmen eine annualisierte Ersparnis von knapp 750 Millionen US-Dollar.
Das Management setzt darauf, dass moderne Antriebe und optimierte Fahrtrouten den relativen Verbrauch weiter senken. Gleichzeitig sorgt die schrittweise Flottenmodernisierung für höhere Passagierkapazitäten bei sinkenden Fixkosten pro Gast. Dies verschafft dem Konzern finanziellen Spielraum, um Preisschwankungen am Energiemarkt abzufedern.
Bilanzsanierung schreitet voran
Trotz der Belastungen nutzt das Unternehmen den Mittelzufluss für den Schuldenabbau. Die Verbindlichkeiten sanken inzwischen auf unter 24 Milliarden US-Dollar, nachdem sie in der Spitze noch bei 36 Milliarden US-Dollar gelegen hatten. Zudem kaufte Carnival binnen sechs Monaten eigene Aktien im Wert von rund 1,2 Milliarden US-Dollar zurück.
An den Finanzmärkten reagierten die Anleger dennoch zurückhaltend auf die gedämpften Gewinnaussichten. Gestern gab die Aktie um 2,3 Prozent nach und beendete den Handelstag bei 24,54 US-Dollar. Damit wird Carnival an der Börse aktuell mit umgerechnet 26,70 Milliarden Euro bewertet.
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