Der US-amerikanische Online-Gebrauchtwagenhändler Carvana hat am heutigen Donnerstag seine Finanzergebnisse für das zweite Quartal 2026 vorgelegt. Trotz neuer Höchstmarken beim Absatz, dem Umsatz und dem Gewinn reagierten die Anleger enttäuscht. Der Grund liegt in einer Prognose für das Gesamtjahr, welche die hohen Erwartungen der Analysten an der Wall Street deutlich verfehlte.

In der Folge verzeichnete das Papier im hiesigen Handel einen deutlichen Kursrückgang. Die Aktie von Carvana verlor heute 12,65 Prozent an Wert und notiert bei 51,92 Euro. Damit wird das Unternehmen am Markt aktuell mit einer Marktkapitalisierung von 61,68 Milliarden Euro bewertet.

Operative Rekorde und sinkende Margen

Im abgelaufenen Quartal konnte Carvana seinen Wachstumskurs beschleunigt fortsetzen. Das Unternehmen verkaufte insgesamt 197.325 Fahrzeuge, was einer Steigerung von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Dieser Absatzschub trieb den Umsatz um 52 Prozent auf rund 7,38 Milliarden US-Dollar nach oben. Beim Nettogewinn meldete der Konzern mit 513 Millionen US-Dollar ebenfalls einen neuen Rekordwert, nachdem im Vorjahr noch ein deutlich geringerer Überschuss erzielt worden war.

Schatten warf jedoch die Entwicklung der Profitabilität pro Einheit. Der Bruttogewinn pro verkauftem Fahrzeug (GPU) im Einzelhandel sank um 105 US-Dollar, während auch die Bereiche Großhandel und sonstige Erlöse Rückgänge beim Stückgewinn verzeichneten. Die bereinigte EBITDA-Marge ging im Vergleich zum Vorjahresquartal von 12,4 Prozent auf 10,4 Prozent zurück. Laut CEO Ernie Garcia war das Inventarwachstum zuletzt hinter den starken Verkaufszahlen zurückgeblieben, was die Abläufe beeinflusste.

Ausblick belastet die Analysteneinschätzungen

Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 stellte das Management ein bereinigtes EBITDA in einer Spanne von 2,7 bis 3,0 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Mit einem Mittelwert von rund 2,85 Milliarden US-Dollar liegt diese Prognose signifikant unter den Schätzungen der Marktbeobachter, die im Konsens mit Werten zwischen 3,0 und 4,45 Milliarden US-Dollar gerechnet hatten.

Die Analysten reagierten prompt auf die neuen Daten. Die Experten von Citizens Jmp senkten ihr Kursziel für die Carvana-Aktie von 103 auf 83 US-Dollar, behielten jedoch ihre Einstufung auf „Market Outperform“ bei. Auch Morgan Stanley korrigierte das Kursziel nach unten und sieht den fairen Wert nun bei 90 US-Dollar. Im Gegensatz dazu hoben die Analysten von Jefferies ihr Kursziel an und verwiesen dabei auf die grundsätzlich starke operative Umsetzung des Unternehmens.

Langfristziele und Expansionspläne

Trotz der kurzfristigen Skepsis am Markt hält die Unternehmensführung an ihren ehrgeizigen Langfristzielen fest. CEO Ernie Garcia bekräftigte die Vision, das jährliche Verkaufsvolumen bis zum Zeitraum 2030 bis 2035 auf drei Millionen Fahrzeuge zu steigern und dabei eine EBITDA-Marge von 13,5 Prozent zu erreichen. Aktuell beziffert Garcia den Marktanteil von Carvana am US-Gebrauchtwagenmarkt auf etwa zwei Prozent.

Einen zentralen Baustein für dieses Wachstum bildet die Integration der ADESA-Standorte. Inzwischen betreibt Carvana 19 dieser Logistik- und Auktionszentren, die eine jährliche Kapazität von 1,5 Millionen Einheiten unterstützen. Das Unternehmen verfügt laut eigenen Angaben bereits über die Immobilienflächen, um die Kapazitäten auf das angestrebte Ziel von drei Millionen Einheiten auszuweiten. Während die Nachfrage nach Gebrauchtwagen aufgrund hoher Neuwagenpreise robust bleibt, muss Carvana nun beweisen, dass die Effizienzsteigerungen mit dem Expansionsstempo Schritt halten können.