Die Wall Street feiert den neuen KI-Herausforderer. Seit dem Ende der Stillhaltefrist hagelt es Kaufempfehlungen für Cerebras Systems. Der Börsenneuling rüstet sich für seinen ersten Quartalsbericht. Die Erwartungen: enorm.

Mehr als neun große Investmentbanken, darunter Branchengrößen wie Citi und Morgan Stanley, decken die Aktie nun ab. Sie alle vergeben Top-Bewertungen. Jüngst schloss sich Craig-Hallum dieser Riege mit einer Kaufempfehlung an.

Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 294 US-Dollar. Die Spanne reicht dabei von 250 bis 340 US-Dollar.

Aktuell pendelt das Papier um die Marke von 217 US-Dollar. Damit bringt der Konzern knapp 48 Milliarden US-Dollar auf die Waage.

Tempo als Verkaufsargument

Im Zentrum der Euphorie steht die Inferenz-Geschwindigkeit. Cerebras verarbeitet Live-KI-Modelle in Echtzeit. Diese Leistung überzeugte in den vergangenen Monaten bereits OpenAI und Amazon. Beide Konzerne wählten Cerebras als bevorzugte Lösung.

Auf der SuperAI-Konferenz in Singapur demonstrierte das Management das Potenzial. Strategiechef Andy Hock präsentierte den hauseigenen Wafer Scale Engine Chip. Der direkte Vergleich mit Nvidias B200-Plattform fiel optisch drastisch aus. Der Cerebras-Chip ist 50-mal größer.

Die Architektur vereint 900.000 Kerne auf einem einzigen Siliziumblock. Benchmarks zeigen eine 21-fach schnellere Inferenz im Vergleich zum Nvidia-Modell. Parallel dazu sinken die Gesamtbetriebskosten um 32 Prozent.

Die erste Bewährungsprobe

Am 23. Juni legt das Unternehmen erstmals als börsennotierter Konzern Quartalszahlen vor. Die Bilanz zeigt im Vorfeld ein solides Fundament. Cerebras verfügt über rund 1,11 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln.

Dem stehen Gesamtverbindlichkeiten von etwa 971 Millionen US-Dollar gegenüber. Das Nettoumlaufvermögen beläuft sich auf 824 Millionen US-Dollar.

Der anstehende Bericht unterzieht die Vorschusslorbeeren der Analysten einem Realitätscheck. Am 23. Juni um 23 Uhr deutscher Zeit startet die Telefonkonferenz. Dann müssen echte Umsatzzahlen die technische Überlegenheit belegen.