Der globale Energiemarkt hat seine Flexibilität verloren. Etwa ein Fünftel des weltweiten Öls fließt normalerweise durch die Straße von Hormus. Diese Route ist massiv gestört. Für Chevron bedeutet diese Krise ein volatiles Umfeld kurz vor den Quartalszahlen.
CEO warnt vor Lieferketten-Schock
Konzernchef Mike Wirth fand am Wochenende deutliche Worte. Er beschrieb die aktuelle Lage als massiven Schock, der Handelsströme und Logistik komplett neu ordnet.
Selbst bei einer schnellen politischen Lösung wird die Erholung dauern. Beschädigte Infrastruktur bremst die Lieferketten. Bestimmte LNG-Anlagen könnten laut Wirth für Jahre ausfallen.
Australisches LNG fließt wieder
Ein konkreter Lichtblick kommt aus Australien. Chevron hat die Produktion in seiner Wheatstone-Anlage vollständig hochgefahren. Ein Zyklon hatte den Betrieb im März lahmgelegt.
Das Timing ist entscheidend. Die globale Gasversorgung ist extrem eng. Derweil fallen katarische LNG-Exporte wegen der Blockade im Nahen Osten aus. Die schnelle Reparatur stärkt Chevrons Position auf dem Weltmarkt.
Starkes Fördergeschäft, schwache Raffinerien
Am 1. Mai öffnet der Konzern seine Bücher. Das erste Quartal zeigt ein geteiltes Bild. Das Fördergeschäft profitiert massiv von den gestiegenen Ölpreisen. Der Konzern förderte zuletzt knapp 3,9 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag. Hier erwartet das Management einen Milliardensprung beim Gewinn.
Im Raffineriegeschäft sieht es anders aus. Buchhaltungseffekte und Derivate belasten das Ergebnis voraussichtlich um rund drei Milliarden US-Dollar. Hinzu kommt eine rechtliche Rückstellung für stillgelegte Betriebe.
Die Folge: Analysten rechnen für das Downstream-Segment mit einem Verlust von 1,3 Milliarden US-Dollar. Im Vorjahr stand hier noch ein solider Gewinn.
Einsparungen stützen die Marge
Abseits der Quartalsschwankungen baut Chevron an seinem Fundament. Ein laufendes Sparprogramm senkt die Kosten spürbar. Der Konzern hat bereits 1,5 Milliarden US-Dollar strukturell eingespart.
Bis Ende 2026 peilt das Management bis zu vier Milliarden US-Dollar an. Diese Effizienzgewinne senken die Stückkosten dauerhaft.
Die Aktie notiert aktuell knapp unter 190 US-Dollar. Auf Sicht von sechs Monaten steht ein Kursplus von rund 20 Prozent auf der Anzeigetafel. Am Freitag müssen die Quartalszahlen zeigen, wie stark das robuste Fördergeschäft die Belastungen im Raffineriesektor ausgleicht. Die Prognose für das Produktionswachstum von bis zu zehn Prozent bleibt der wichtigste Anker für Investoren.
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