Chevron liefert ab. Der US-Energiekonzern hat im zweiten Quartal 2026 die Erwartungen der Wall Street klar übertroffen. Die Aktie schloss am Freitag bei 170,90 Euro, ein Plus von 2,36 Prozent. Seit Jahresbeginn steht damit ein Kursgewinn von 32,58 Prozent zu Buche.

Rekordproduktion treibt Gewinnsprung

Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 6,06 US-Dollar. Analysten hatten nur 5,56 US-Dollar erwartet. Der Gesamtumsatz kletterte um 56,3 Prozent auf 70,06 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die Prognose von 61,97 Milliarden US-Dollar deutlich.

Besonders stark fiel das Upstream-Geschäft aus. Der Gewinn aus Förderung und Exploration stieg von 2,73 auf 8,18 Milliarden US-Dollar. Die weltweite Produktion legte um 20 Prozent auf 4,07 Millionen Barrel pro Tag zu.

Auch die Raffinerien liefen auf Hochtouren. In den USA erreichten die Anlagen Rekordwerte bei der Rohöl-Verarbeitung, die Auslastung lag bei 97 Prozent.

Dividende steigt, Vorstandschef bleibt vorsichtig

Der Vorstand beschloss zeitgleich eine Quartalsdividende von 1,78 US-Dollar je Aktie. Ausgezahlt wird sie am 10. September 2026 an alle Aktionäre, die am 19. August 2026 im Aktienregister eingetragen sind.

CEO Mike Wirth dämpfte trotz der starken Zahlen die Euphorie. Gegenüber CNBC sagte er, die geopolitischen Risiken für die globalen Ölmärkte hätten sich über die Straße von Hormus hinaus ausgeweitet. Die weltweiten Lagerbestände blieben zudem angespannt.

Irak: Zugriff auf eines der größten Ölfelder der Welt

Neben den Quartalszahlen rückte Chevron seine vertiefte Zusammenarbeit mit Bagdad in den Fokus. Der Konzern unterzeichnete eine Vereinbarung mit der irakischen Regierung. Sie soll eine mögliche Beteiligung an den Feldern West Qurna 2 und Nasiriyah sowie an einer Exportpipeline vorbereiten.

Der Vorstoß läuft schon seit Monaten. Irakische Vertreter und Chevron unterzeichneten mehrere Absichtserklärungen, um Investitionen in die großen Ölfelder und eine Pipeline zu verhandeln. Diese Pipeline soll die Straße von Hormus künftig umgehen können.

West Qurna 2 zählt zu den größten Ölfeldern des Irak. Die geschätzten förderbaren Reserven liegen bei rund 14 Milliarden Barrel. Vor der Förderkürzung wegen der Schließung der Straße von Hormus während des Iran-Kriegs pumpte das Feld täglich etwa 460.000 Barrel.

Microsoft-Deal als zweites Standbein

Chevron baut parallel ein zweites Geschäftsfeld auf: Stromerzeugung für Rechenzentren. Im Sommer unterzeichnete der Konzern einen 20-jährigen Stromliefervertrag mit Microsoft für ein Rechenzentrum in West-Texas. Das Projekt trägt den Namen „Project Kilby“.

Geplant ist eine Kapazität von rund 2,67 Gigawatt, aufgebaut in einem modularen, schrittweisen Verfahren. Chevron erwartet daraus Cashflows, die weitgehend unabhängig von den zyklischen Schwankungen der Öl- und Gaspreise sind. Das Geschäft könnte damit zu einem stabilisierenden Gegengewicht zum klassischen Fördergeschäft werden.

Die Kombination aus Rekordproduktion, Irak-Expansion und dem Einstieg in die Stromversorgung von Rechenzentren zeichnet das Bild eines Konzerns, der auf mehreren Ebenen gleichzeitig wächst. Wie sich die geopolitischen Risiken rund um Hormus auf die geplante Umgehungspipeline auswirken, dürfte sich erst in den kommenden Monaten zeigen, wenn die Verhandlungen mit Bagdad konkreter werden.