Chevron übertrifft die Gewinnerwartungen und erreicht zugleich ein Allzeithoch. Der Konzern verdankt das vor allem den Raffinerien: Das Downstream-Geschäft liefert so viel wie seit mindestens sechs Jahren nicht. Statt höherer Ausschüttungen setzt das Management auf eine robustere Bilanz.
Raffinerien holen auf
Im dritten Quartal verdiente Chevron bereinigt 5,28 Dollar je Aktie. Sowohl das Upstream- als auch das Downstream-Geschäft schlugen die Erwartungen, wie ein Analyst von BMO Capital Markets festhielt. Die Sparte rund um Raffinerie und Kraftstoffe erreichte ihr höchstes Ergebnis im Vergleichszeitraum der vergangenen sechs Jahre.
Der Grund liegt in der Lage der globalen Energiemärkte. Der Krieg der USA und Israels mit dem Iran sowie der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine haben Benzin- und Dieselpreise nach oben getrieben. Die faktische Sperrung der Straße von Hormus und Angriffe auf Raffinerien in Saudi-Arabien und Russland haben Verarbeitungskapazität vom Markt genommen. Chevron fuhr seine US-Raffinerien nahe der Volllast und profitierte von den hohen Margen.
Bilanz vor Ausschüttung
Die Zusatzerlöse fließen in den Schuldenabbau. Seit Ende 2025 hat Chevron die Nettoverschuldung um fast 14 Milliarden Dollar gesenkt. Finanzchefin Eimear Bonner begründete das mit dem langen Planungshorizont: „Wir denken in Jahrzehnten, nicht in Quartalen.“ Die Bilanz müsse bei hohen wie bei niedrigen Preisen tragen.
Wie schwankungsanfällig das Umfeld ist, zeigt der Brent-Preis. Im dritten Quartal pendelte er zwischen 68 und 132 Dollar je Barrel.
Zugleich bereitet der Konzern den Ausbau vor. Die Kapazität der Raffinerie in Pascagoula (Mississippi) könnte bis Ende des Jahrzehnts um sieben Prozent wachsen, auch an anderen Standorten an der US-Golfküste sieht Bonner Effizienzspielraum.
Analysten ziehen nach
An der Börse lief es vor den Zahlen bereits gut. Die Aktie markierte ein Rekordhoch bei 234,39 Dollar und kletterte zeitweise auf 236,18 Dollar. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt das Plus bei rund 57 Prozent, die Dividendenrendite beträgt etwa 3,1 Prozent.
Die jüngsten Kursziele im Überblick:
- Goldman Sachs: 241 Dollar, Votum „Buy“
- UBS: 235 Dollar, begründet mit stärkeren Raffineriemargen und höheren Rohölerlösen
- Mizuho: 234 Dollar, Votum „Outperform“
Damit notiert die Aktie bereits im Bereich der genannten Ziele. Weiteres Potenzial dürfte davon abhängen, ob die Raffineriemargen auf diesem Niveau bleiben. Fallen sie mit einer Entspannung im Nahen Osten oder in der Ukraine zurück, würde der Rückenwind für das Downstream-Geschäft nachlassen.
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